21/08 2007

Gesehen: 10 Jahre WDR Bootleg, Köln Live Music Hall, 19. August 2007


Das WDR Rockpalast Bootleg feierte am Wochenende in der Kölner Live Music Hall 10-Jähriges Jubiläum. Ein hochkarätiges Aufgebot der deutschen Musikszene war zur Feierstunde geladen und heizte den zahlreich erschienen Besuchern kräftig ein. Regiomusik war am Sonntag hautnah mit dabei als iO (ehemals Guano Apes), Erdmöbel, Die Happy und Freundeskreis die Bühne zum Beben brachten.

 

Die drei Jungs von den Guano Apes nennen sich jetzt iO und haben sich jemand neues für die Frontarbeit gesucht. Mit Charles Simmons haben sie einen echten Glücksgriff getan, denn der etablierte Sänger, der bislang eher in ruhigeren Gefilden tätig war, meistert seine neue Aufgabe hervorragend. Eine soulig-kraftvolle Stimme und das äußerst charismatische Auftreten sind seine Markenzeichen. Natürlich fehlt den alten Fans da vielleicht ein bisschen die energiegaldene Show von Sandra Nasic, aber musikalisch steht ihr der "Neue" in nichts nach. iO lieferten eine top Rockshow ab und zeigten, dass mit dieser Band in Zukunft mit Sicherheit noch zu rechnen ist.

 

Ein krasseres Kontrastprogramm kann man sich wohl kaum denken, denn als zweite Band betraten die Kölner Erdmöbel die heimische Bühne der Live Music Hall. In Anzug und mit Hornbrille ging es mit den Liedern ihres aktuellen Albums "No.1 Hits" auf eine äußerst amüsante Zeitreise quer durch die Musikgeschichte. Deutsche Cover von bekannten Hits wie Nirvanas "Smells like teen spirit", Kylie Minogues "Can't get you out of my head" oder auch Procul Harums "Whiter Shade of Pale" wurden neu eingekleidet und im charmanten Erdmöbelsound dargeboten. Die Texte waren teilweise einfach zum totlachen und die Show insgesamt eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Musiklandschaft. Man weiß nicht, ob man diese ernst nehmen soll oder nicht, aber vielleicht macht genau das ja ihren Reiz aus.

 

Spätestens bei dem Auftritt von Die Happy stand niemand mehr still. Die Routiniers um Frontfrau Marta Jandová heizten dem Publikum mit allen Mitteln ein. Neben alten Hits wie "Supersonic Speed" oder "Goodbye" warteten die vier auch mit Material der aktuellen Platte "No nuts no glory" auf. 14 Jahre gemeinsam auf Tour schweißen einen zusammen und das sieht man bei Die Happy einfach. So verstehen sich die Musiker blind und haben trotzdem jedes Mal wieder sichtlich ihren Spaß auf der Bühne. Marta und ihre Jungs liefern eine perfekte Rockshow ab, bei der es dem Fan an nichts fehlt. Der Kontakt zum Publikum ist eng wie eh und je und spätestens wenn nahezu die ganze Halle zusammen mit der energiegeladenen Frontfrau gemeinsam hochspringt, ist klar, dass diese Band die Massen immer wieder zu bezaubern weiß.

 

Das Highlight des Abends war aber mit Bestimmtheit der Auftritt von Freundeskreis. Seit sieben Jahren konnte man die Kolchose nicht mehr live auf der Bühne erleben, da sowohl Max Herre als auch DJ Friction und Don Philippe auf Solopfaden wandelten. Zum zehnjährigen Jubiläum ihres ersten Albums "Quadratur des Kreises" erfolgte nun die Reunion für einige ausgesuchte Livetermine und so konnte man am Sonntag Abend gleich ein doppeltes Jubiläum feiern. FK 10 präsentierte sich in Bestform und mit einem hochkarätigen Aufgebot wie eh un je. Die neunköpfige Band der Extraklasse wurde unter anderem durch Afrob, Joy Denalane und Lillo Scrimali verstärk und bewies das Rap wirklich noch lebt. Die Songauswahl zeigte einen Querschnitt durch die Bandgeschichte. Neben den großen Hits wie "Esperanto", "Tabula Rasa", "Anna" oder "Mit Dir", die heute noch immer topaktuell klingen, wurden auch ausgewählte Klassiker wie "Get up" sowie die erste Single "Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte" gespielt. Aber auch aus Max Herres Soloalbum und Joy Denalanes aktueller Platte präsentierte die Band mit "1ste Liebe", "Zu elektrisch" und "Heaven or Hell" drei Perlen. In dem neuen Song "FK10" zeigten sich Freundeskreis wie gewohnt als Meister der fetten Beats und großen Worte, alle Hände waren in der Luft. Zweimal kamen die Allstars anschließend noch zu Zugaben auf die Bühne und spätestens beim allerletzten Song "Halt dich an deiner Liebe fest" war klar, dass diese Band noch immer den Flow hat und zu den absoluten Topacts in Deutschland zählt.

 

Bildergalerie