12/07 2007

Gesehen: GOTTHARD, ZMF, 10.07.07



Gotthard

Am 10.07.07 war GOTTHARD zu Gast auf dem ZMF in Freiburg. REGIOMUSIK war vor Ort und wurde, vorab bemerkt, Zeuge vielleicht eines der besten Konzerte seit langer Zeit. Doch der Reihe nach...

 

Es war so kurz nach 20:00 Uhr, als GOTTHARD die Bühne betraten. Ohne Support angereist, gelang es der Schweizer Rockband Nr.1 schon mit den ersten Akkorden den magischen Funken überspringen zu lassen. Als Gründe hierfür sind unter anderem sowohl ein überaus wohlgesonnenes Publikum, als auch ein spitzen mäßiger Sound anzuführen. Kenner des ZMF wissen wahrlich um dessen Soundproblematik. Zum einen ist es natürlich toll ein Festival in Zelten, nebst gemütlichem Ambiente in seiner Stadt zu wissen. Doch ist manch Tontechniker schlichtweg mit der Aufgabe überfordert, ein Zirkuszelt angemessen zu beschallen. Dem zu Folge sei vorab ein lobendes Wort an den Mann an den Reglern gerichtet. In Szene Kreisen liebevoll, "de GOTTHARD-Loddar" genannt, sollte es dem Sound- Verantwortlichen gelingen, die bei den Eidgenossen traditionell hervorragende Abmischung in das Zirkuszelt des ZMF zu transferieren. Den Jungs und Mädels in der Meckerecke sei zwar mit dem Vorwurf recht gegeben, Lead Gitarrist Leo Leonie hätte hier und da etwas lauter sein dürfen, doch hat es sich damit selbst bei kleinlicher Betrachtung mit der negativen Kritik am Klang. Vielmehr gilt es hervorzuheben, dass die Lautstärke hoch, aber trotzdem noch angenehm war; die Höhen glasklar, die Mitten mächtig & dicht jedoch ohne dabei matschig zu klingen, und schließlich die Bässe druckvoll und schnalzig wie man es sich wünscht. Kumuliert betrachtet, eine ungewohnt feine Sache, dass mit dem Sound. Doch macht selbiger gepaart mit gut gelaunten Fans alleine noch kein gutes Konzert.

 

Hierfür bedarf es Musiker, die spielen können, spielen wollen und was Anständiges zum spielen haben. All das ist auf die Schweizer Combo zutreffend. Mit der mittlerweile fünften Studio Scheibe "Domino Effect" verfügt GOTTHARD über weiteres, erstklassiges Songmaterial. Überhaupt sind es die Lieder und und deren Präsentation, die im Vordergrund stehen. Eine schlichte und geschmackvolle Lightshow unterstützt der Künstler Darbietung, ohne jedoch ablenkend zu wirken. Ablenkung wäre ohnehin sündhaft, da die Musiker nicht nur zusammen, sondern auch einzeln für sich zu bestechen wissen. Schlagzeuger Hena Habegger beispielsweise weiß wann er sich auf die 4/4 zu beschränken hat, ohne sich jedoch den Spaß daran nehmen zu lassen, immer wieder neue Breaks aus den Handgelenken zu zaubern. (Dauer-)Gastmusiker Nikola Fragile, (nein, der Herr ist nicht zerbrechlich), versteht es als ehemaliger Pianist von Eros Ramazotti stilübergreifend mit seinem Spiel zu begeistern. Ein wildes Keyboard Duell mit Lead Gitarrist Freddy Scherer dieses mal, ein fantastisches Klassik-Outro gab es nach dem GOTTHARD Hit "Heaven" auf der Lip Service Tour 2005/2006. Der Mann beherrscht sein Instrument mit jedem Finger. Schließlich gilt es noch dem Frontman der Schweizer Band zu huldigen. Steve Lee gibt sich auch bei noch so langen Tourneen, niemals nie die Blöße, auch nur eine Nuance neben dem richtigen Ton zu liegen. Für ihn scheinen Charakteristik und Dynamik, auch über drei oder gar noch mehr Oktaven derart spielerisch beherrschbar, dass er keinen auch noch so renommierten Vergleich zu scheuen braucht. Man macht sich als Schreiberling nicht der Korruption verdächtig, wenn man Mr. Lee als Ausnahmeerscheinung im positivsten Sinne bezeichnet. Hinzu kommt, dass der Mann sich gut aussehenderweise zu seiner Musik zu bewegen versteht, oder anders gesagt, genau aus jenem Holz geschnitzt ist, aus welchem Teenie- Schwärme bestehen.

 

Alles zusammen ergibt eine Band, die es sowohl hart & laut, als auch sanft& leise kann. Bei sanfteren Songs ist vor allem GOTTHARD´s feines Gespür für schöne Melodien zu betonen. So wundert es abschließend niemand mehr, dass sich ein gut gefülltes Zirkuszelt zu überdurchschnittlich heftigem Beifall und kollektiven Gesangseinlagen hinreißen ließ. Nimmer enden wollender Applaus sorgte letztlich auch dafür, dass die Herrschaften erst nach fast zwei Stunden und vielen Zugaben ihren wohlverdienten Feierabend antreten durften. Gotthard versteht es ein konsequent gutes Konzert, ohne Durchhänger abzuliefern, ohne es dabei nötig zu haben, mit Show Effekten davon abzulenken, worum es Ihnen eigentlich geht: verdammt gute Rockmusik zu kreieren.

 

Dirk Dufna

 

Bildergalerie