21/10 2007

Nachgefragt: Die Happy



Die Happy

Sie sind seit Jahren einer der meisttourenden deutschen Rockbands und haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 1994, in die Herzen der Fans gespielt. Mit ihrem letzten Album "No nuts no glory" zeigten sich  Die Happy ungeschliffener und rauer als zuvor. Regiomusik sprach jetzt vor ihrem Konzert in Gütersloh mit Frontfrau Marta Jandová und Bassist Ralph Sieker. Die beiden erzählen von dem neuen, im Frühjahr erscheinenden Album der Band, dem Leben auf Tour und ihren Inspirationen.

 

RM: Die Happy gibt es jetzt seit 1994, in der aktuellen Besetzung seit 1999. Das sind ja immerhin acht Jahre, in denen ihr Jahr für Jahr ziemlich ordentlich auf Tour seid. Wie schafft ihr es überhaupt, immer noch so viel Spaß zusammen auf der Bühne zu haben. Ist es nicht nach einer Zeit ermüdend, wenn man jeden Abend spielen muss. Was gibt euch immer wieder den Ansporn weiterzumachen, weiterzuspielen?

 



Die Happy

Marta: Wenn wir auf der Bühne sind ist, dann ist es egal ob wir uns davor gestritten haben oder ob wir davor zusammen einen guten Tag hatten. Auf der Bühne sind wir immer ein bisschen anders. Das ist ein anderes Gefühl. Bei mir geht alles Andere aus dem Kopf weg. Das Einzige was in diesem Moment zählt, ist das Konzert. Es hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber ich hab das Gefühl wenn ich auf die Bühne gehe, setzt bei mir ein anderes Gehirn ein. Das andere geht dann wieder aus. Bei den Jungs merkt man, wenn es technische Probleme oder so beim Soundcheck gibt, dass sie darüber nachdenken. Und bei mir, ich höre mich manchmal nicht, natürlich mittlerweile ist die Technik auch so weit, dass man sich super hört, aber manchmal gibt es diese Probelem und mich ärgert sowas am wenigsten glaube ich. Ich lasse mich davon nicht so beeinflussen.

 

Ralph: Mit den Jahren hat man natürlich auch so eine Routine, dass man Fehler, die sowohl auf technischer als auch auf spielerischer Seite passieren, total entspannt nimmt. Das passiert halt. Es gibt aber so ein paar Leute die kommen immer wieder auf unsere Konzerte und ich glaub für die ist genau das das Spannende, wenn man mal sowas passiert. Wenn mal ein Wackelkontakt ist, wenn die Sängerin mal ihren Text vergisst, was zugegeben selten vorkommt. Das sind eben diese Momente die das Konzert ausmachen. Wenn man auf der Bühne steht sind es die Leute, die einem die Energie geben, und einem helfen alles zu vergessen.

 

 

RM: Was sind denn die schönen Seiten und was eher die Schattenseiten von einem Leben im Tourbus?

 

Marta: Das ewige Warten ist furchtbar. Man ist halt nicht zu Hause. Wenn wir auf Tour gehen sind es meist drei Wochen, und man ist dann nicht zu Hause. Man wacht auf und nach den vielen Jahren die wir  jetzt schon zusammen getourt haben, kennt man auch schon fast jede Stadt und hat sich schon alles angeschaut, was man sich hätte anschauen können. Und man hat auch nicht immer Lust, den ganzen Tag durch die Stadt zu rennen oder zu shoppen. Da wird man nur arm bei, auf Tour sollte man ein bisschen Geld verdienen und nicht alles ausgeben (lacht).

 



Ralph und Martha im Interview mit Nina

 

RM: Habt ihr euch denn heute auch schon Gütersloh angeschaut?

 

Marta: Ich ja. Ich war in der Fußgängerzone, bin urmgelaufen, war in der Buchhandlung. Ich laufe gerne rum. Vor allem heute schien die Sonne und wir hatten nicht so viel Sonne dieses Jahr und ich brauche das. Ich bin da wie´eine Pflanze. Wenn die Sonne auf mich nicht scheint, dann gehe ich ein.

 

RM: Ihr habt also nicht ein typisches Hotelleben, sondern ihr guckt euch auch wirklich die Gegenden an, wo ihr seid?

 

Ralph: Das kommt darauf an, ob der Club schön ist und man sich dort wohl fühlt. Ob man gerne Backstage ist. Wenn es ein kalter Backstageraum ist, wo keine Atmosphäre aufkommt, ist man mehr im Bus. Wenn das Wetter schön ist geht man raus.

 


Marta: Wir waren mal wandern. In Österreich im Sommer, weil das Konzert war auf einer alten Burgruine und da war wirklich nichts. Wenn wir nicht einmal Internet haben können, wir sind echt internetabhängig, wenn wir auf Tour sind. Der Kontakt zu Freunden läuft da viel über skypen oder so. Und da hatten wir wirklich gar nichts und das Wetter war schön und die Berge haben schön ausgesehen. Da haben sich Ralf und Jürgen einen Stock genommen und sind einfach vier Stunden spazieren gegangen, das weiß ich noch. Und ich habe mir schon immer gesagt, dass ich, wenn wir so viel unterwegs sind,  nicht nur schlafen oder nur  lesen will oder nicht nur im Backstageraum rumhängen will. Wobei wenn wir Internet haben, ist die Gefahr sehr groß. Aber das man sich wirklich auch was anschaut, dass man sich informiert. Wenn man in Städten spielt, muss man sich nicht groß informieren. Da geht man einfach in die Stadt und guckt. Aber wenn wir im Sommer irgendwo spielen guckt man schon, ob da ein schöner See ist. Oder wir haben uns auch einmal Fahrräder ausgeliehen und sind dann um einen See geradelt. Das war ein wunderschöner Tag. Auf jeden Fall viel schöner, als wenn man rumsitzt und wartet, dann noch Interviews gibt, Soundcheck macht, zu Abend isst, Freunde begrüßt und dann auf die Bühne geht. Wenn man den ganzen Tag über irgendwas zu tun hat, finde ich das interessant und ich denke, dass das auch jedes Leben bereichert, wenn man rumguckt und sich informiert.

 

RM: Ich habe gehört, dass ihr momentan dabei seid, das neue Album aufzunehmen. Den Vorgänger "No nuts no glory" habt ihr gemeinsam im Studio aufgenommen, was ja heutzutage eher ungewöhnlich ist, weil man die Instrumente meist getrennt voneinander einspielt. Behaltet ihr das Konzept bei? Was wird sich beim neuen Album ändern?

 

Ralph: Also was sich bei jedem Album eigentlich nie ändert ist, dass Marta zum Schluss draufsingt, deshalb kriegt sie wie wir genau aufnehmen manchmal gar nicht so genau mit, weil sie ja dann auch beschäftigt ist mit Texte schreiben und so. Beim letzten Album ist richitg haben wir alles zusammen eingespielt, also Schlagzeug, Bass und Gitarre. Das hört man auch, weil uns da dieses Livegefühl wichtig war. Auch die Art und Weise wie wir die Songs geschrieben haben war alles eine große Momentaufnahme. Bei diesem Album machen wir es wieder ein bisschen anders. Wir sorgen uns mehr noch um die einzelnen Songs, sprich wir reißen die auch noch mal auseinander, bauen sie noch mal zusammen. Also es ist nicht nur dieses wir gehen in den Proberaum, spielen, das ist jetzt der Song und wir nehmen den so auf, sondern er durchwächst wieder verschiedene Phasen. Wir werden wieder Bass und Schlagzeug zusammen aufnehmen und Gitarre und Gesang kommen extra dazu. So dass wir eben auch die Möglichkeit haben, über diese Momentaufnahme hinweg noch ein bisschen rumprobieren zu können. Zu sehen, was tut dem Song gut und was tut ihm nicht gut.

 

RM: Ihr wohnt mittlerweile ja nicht mehr zusammen in Ulm wie das früher war, sondern in ganz Deutschland verstreut...

 

Marta: Also das ist mittlerweile ganz einfach, Torsten und ich sind in Hamburg und Ralph und Jürgen wohnen in Berlin.

 

RM: Ok. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Ich stelle es mir als Band relativ schwierig vor. Wie kann man proben, wie schreibt man Songs. Wie schafft man es, dass es die Band nicht zerwirft?

 

Marta: Also bevor wir alle nach Hamburg und Berlin gezogen sind stimmt es schon. Der Eine war in der Schweiz, der Andere war in Stuttgart, dann ist Jürgen schon nach Berlin gezogen, und ich pendelte zwischen Ulm und Dortmund. Da waren wir schon sehr verstreut. Aber mittlerweile ist es wirklich sehr einfach. Denn die Zugverbindung Berlin - Hamburg dauert nur anderthalb Stunden, da kann man fast, wenn man umsonst Bahn fahren könnte, morgens zur Probe fahren und abends wieder nach Hause. Aber wir nehmen uns diese Zeit. Es ist ziemlich einfach, wir haben ja keinen Job, wo wir jeden Tag hin müssen. Wir schreiben das ganze Jahr über so für uns hin. Wenn wir wieder auf Tour gehen, dann proben wir für die Tour im Proberaum in Berlin und in dieser Zeit spielen wir uns gegensietig schon unsere neuen Ideen vor und arbeiten daran zusammen. Bis dann die Zeit kommt, wo wir sagen, okay ab jetzt schreiben wir für unser neues Album. Das ist meistens so, dass wir jede zweite Woche eine Probewoche machen. So kann man eine Woche zu Hause für sich selber werkeln. Ich texte und sammele mal hier und da eine Gesangsidee und dann treffen wir uns und spielen uns alle unsere neuen Ideen vor, arbeiten daran. Anschließend gehts noch in einen neuen Prozess, wenn unser Produzent dazukommt und wir die Vorproduktion machen und der uns nochmal sagt, dass ihm diese Zeile nicht so gefällt und wir nochmal darüber nachdenken. Er ist da die letzte Instanz für uns zu sagen, wie der Song sich ändern könnte. Eigentlich super einfach und ich habs mir nie vorher vorstellen können. Ich habe dann gehört, dass von Bad Religion die eine Häfte der Band Eastcoast wohnt und die andere Westcoast und die schaffens auch. Und das sind fünftausend Kilometer und wir haben nur anderthalb Stunden mit dem Zug. Wie gesagt wir sehen uns wirklich eigentlich viel zu oft. (lacht)

 

RM: Was hört ihr denn aktuell privat für Musik, die euch fürs Songwriting inspiriert?

 

Marta: Wenn wir am neuen Album arbeiten höre ich kaum Musik. Ich habe dann immer Angst, dass nimmt mir meine Ideen weg. Oder wenn ich eine Idee hab, dass die sich daran anlehnt, was ich gerade gehört habe. Deswegen höre ich in diesem Prozess am wenigsten Musik. Ich brauche meine Ohren nur für unsere Ideen.

 

Ralph: Ich höre schon relativ viel Musik. Zum Beispiel Soko. Das ist so eine kleine Französin, die singt ganz lustig auf englisch... Also ich hör auch während der Plattenproduktion relativ viel Musik, aber auch sehr sehr unterschiedliche Stile. Ich könnte jetzt gar nicht genau sagen, was es ist.

 

RM: Wie geht es stilistisch weiter nach der Platte?

 

Ralph: Das ist sehr schwierig zu sagen, denn wir sind momentan mit dem Kopf so mit der neuen Platte beschäftigt...

 

Marta: Wir haben gerade neunzehn Lieder am Start auch mit fast kompletten Texten und haben erst vor Kurzem darüber nachgedacht, wie schwierig das wird, da die Songs für die Platte rauszusuchen. Da ist alles mögliche dabei. Traurige, glückliche, wütende, stürmische und leise Lieder. Alles, was Die Happy auch ausmacht. Es wird ein harter Kampf, vor allem mit vier Köpfen in der Band. Und dann kommt da noch die Plattenfirma zu, die sagt, aber dieses Lied ist doch viel besser als das und dann kommen die Freunde und sagen: Aber das Lied fehlt und wieseo ist das nicht, das ist meinLieblingslied. Wieso ist das nicht auf der Platte...

 

RM: Vielen lieben Dank für das nette Interview und viel Erfolg mit der Arbeit am neuen Album!

 

Roadcrew                                                      

  
Nina Nachtigal
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