06.07.2008  Mannheim

Gesehen: BEN FOLDS in der alten Feuerwache in Mannheim

Spiel´s nochmal, Ben!



Ben Folds

Bezaubernd, humorvoll, virtuos, energiegeladen, mitreißend, das sind nur einige der Attribute eines BEN FOLDS Konzerts. Jahrelang musste der geneigte Europäer auf seine Live-Spektakel  verzichten, erst in den letzten Jahren lies sich der Meister gelegentlich auf deutschen Bühnen blicken. Jetzt spielte BEN FOLDS zum ersten Mal im Rhein-Neckar-Delta und dementsprechend zahlreich fanden sich jung und alt in der alten Feuerwache in Mannheim ein.

 

Schon das Vorprogramm erwies sich als äußerst vergnüglich. Ein bärtiger, langhaariger Hippie betrat die Bühne und stellte sich als CORN MO vor. Mit Akkordeon und Piano bewaffnet, intonierte er schräge Chansons und skurrile Popsongs, verwandelte den kurz angespielten Lynard Skynard Klassiker „Freebird“ in ein Seemanns-Chanty und sang sich bei einer abschließenden, Queenkonzert-gerechten Licht- und Tonorgie Playback in höchste Höhen. Eine gelungene Mischung aus Folkrocker und Tenacious D. Höchst unterhaltsam!

 

Seinen Ruf als exzellenter Entertainer bewies BEN FOLDS bereits, als er mit seinen beiden Mitmusikern auf die Bühne schlurfte. Einen kurzen Hundeblick, dann saß der Mann am Steinwaypiano und begann die zweistündige Reise durch seine drei bisherigen Soloalben. Mit unglaublicher Virtuosität, begleitet nur von Bass und Schlagzeug lies FOLDS jeden seiner Songs zu übergroßem Leben erwachen. „You to thank“ raubte einem den Atem, „Zak und Sara“ war purer Sonnenschein, mit „Still fighting“ umarmte BEN FOLDS das ganze Publikum und „Rockin the suburbs“ lies einfach nur jubeln. Natürlich fehlte das Dr. Dre Cover „Bitches ain´t shit“ genauso wenig wie die Bababa- und Aha-Chöre des Publikums bei „Not the same“.

Zwischen den Songs gab FOLDS den Entertainer. Sei es das unzählige Blechwerk, das er zwecks Verzerrereffekt auf die Klaviertasten legte oder sein Keyboard mit den schwarzen statt weißen Tasten, die ihn offensichtlich sehr verwirrten. Als Zugabe gab es ein besonderes Schmankerl: „Underground“, ein Hit seiner verblichenen Band BEN FOLDS FIVE, wurde aus demselbigen geholt und bildete mit dem abschließenden „Jezebel“ einen weiteren der unzähligen Höhepunkte.

 

Hätte BEN FOLDS in den 70er Jahre gelebt und musiziert, er wäre in einem Atemzug mit großen Rock und Pop Pianisten wie Billy Joel, Randy Newman und Elton John genannt worden. Mit seinen zeitlosen wie grandiosen Songs, der unglaublichen Virtuosität, mit der er sein Instrument beherrscht  und seinem scharfen, humorvollen Blick auf die alltäglichen Dinge des Lebens wäre er heute mindestens eine Legende. Dem ist zum Glück nicht so. Es wäre eine unerträgliche Vorstellung als Zu-spät-Geborener auf seine Auftritte verzichten zu müssen.

 

 

Text: Christian Hautz

Fotos: Anika Meier

 

 

 



Ben Folds