29.11.2007  Bielefeld

Nachgefragt: Gentleman



Gentlman

RM: Das Musikerdasein kann unter Umständen sehr ermüdend sein. Man wechselt ständig zwischen dem Leben auf Tour und dem im Studio. Was liebst du an diesem Beruf? Was wäre aus dir geworden, wenn du heute

nicht auf der Bühne stehen würdest?

 

Gentleman: Ich kann mir eigentlich gar nichts anderes mehr vorstellen.

Ich empfinde es meistens auch gar nicht so sehr als Beruf, sondern

vielleicht eher als Berufung. Die Kommunikation mit dem Publikum bei

einem Konzert und auch die Kommunikation, durch meine Musik durch Radio

oder Cds mit den Menschen gibt mir so viel. Ohne diese Dinge kann ich

mir ein Leben nicht vorstellen.

 

RM: Du singst sowohl auf englisch als auch auf Patois. Woher kannst du

diese Sprache? Hast du schon mal darüber nachgedacht, auf deutsch zu singen?

 

Gentleman: Patois habe ich auf Jamaika gelernt. Deutsch zu singen kommt

für mich nicht in Frage, da diese Sprache nur in Deutschland verstanden

wird. Meine Musik soll aber möglichst weltweit verstanden werden.

 

RM: Wann warst du das erste Mal auf Jamaika? Was waren die prägenden

Eindrücke dieser Reise?

 

Gentleman: Ich war dort das erste mal mit 18. Prägende Eindrücke sind

fast ausschließlich zwischenmenschliche Dinge, die mir die Augen für

viele neue Dinge im Leben öffneten.

 

RM: Als weißer Musiker hat man es generell erst einmal schwer auf

Jamaika. Wie hast du es trotzdem geschafft, dort mit deiner Musik

Anerkennung zu finden? Was bedeutet das für dich?

 

Gentleman: Den Menschen auf Jamaika ist es egal, wer den Song singt,

Hauptsache er gefällt. Unterschiedliche Hautfarben interessieren mich

eigentlich nicht so sehr, ich mache da keine Unterschiede. Das meine

Musik auch auf Jamaika Anerkennung findet, bedeutet mir viel, da es das

Mutterland des Reggae ist. Die Musik bedeutet dort wesentlich mehr, als

nur eine Musikrichtung.

 

RM: Du bezeichnest Jamaika als deine zweite Heimat. Was verbindet dich

mit dem Land? Was löst in dir ein Heimatgefühl aus?

 

Gentleman: Es ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl, wenn ich auf die

Insel komme, viele Freunde leben dort.

 

RM: Seit einigen Jahren spielst du live mit der Far East Band, in der

auch deine Freundin Tamika singt. Seid ihr eine Art große Familie, wenn

es auf Tour geht?

 

Gentleman: Genau so kann man es beschreiben. Großfamilie ist der

passendste Ausdruck. Mit kleinen und großen Kindern und einigen wenigen

Erwachsenen...

 

RM: Du hast zwei Kinder, bist jedoch berufsbedingt sehr viel unterwegs.

Wie kannst du die beiden trotzdem oft sehen? Kommen sie auch auf deine

Konzerte?

 

Gentleman: Wenn ich in Köln bin, verbringe ich fast meine ganze Zeit mit

ihnen. Wir fahren auch zusammen in den Urlaub. Konzerte haben sie beide

auch schon besucht.

 

RM: Als Künstler steht man viel im Rampenlicht und hat oft automatisch

in gewisser Weise eine Vorbildfunktion inne. Was denkst du selbst

darüber? Siehst du dich als Vorbild?

 

Gentleman: Ich sehe mich nicht als Vorbild, bin mir aber der gewissen

Verantwortung bewusst, die man automatisch hat, wenn man in der

Öffentlichkeit steht und öffentliche Statements abgibt, die

hauptsächlich Jugendliche betreffen, bzw. von diesen gelesen, gesehen

oder gehört werden.

 

RM: Das Jahr ist zwar noch nicht ganz zu Ende, aber was waren bis jetzt

deine persönlichen Highlights in 2007?

 

Gentleman: Unzählige großartige Konzerte auf der ganzen Welt,

insbesondere die grade zu Ende gehende Monstertour durch ganz Europa in

zwei Monaten. Sicherlich auch das Erscheinen meines Albums »Another

Intensity«.

 

RM: Worauf dürfen sich deine Fans im Jahr 2008 freuen? Arbeitest du an

einem neuen Album oder gehst du weiter auf Tour?

 

Gentleman: Wir werden im Februar für etwa drei Wochen in Amerika auf

Tournee sein. Danach folgt im April und Mai eine Europatour, die fast

ausschließlich im Ausland stattfinden wird. Drei Konzerte gibt es aber

auch in Deutschland: Berlin, Bremen und Braunschweig.

 

Danke für das Interview!