24.06.2008
Gehört: KING OF AGOGIK "Aleatorik System"
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Irgendwie hat man doch eigentlich alles, was sich an der Oberfläche des musikalischen Ozeans so tummelt, irgendwo schon mal so oder so ähnlich serviert bekommen. Bewährte Klänge mit wohlbekanntem Effekt, ein ums andere Mal leicht variiert und unters Volk gebracht, musikalische Fischstäbchen.
Wer sich aber weiter hinab wagt in die Tiefen stellt bald fest, dass es auch anders geht. Ungeahnte, individuellere Kreaturen tummeln sich dort, je tiefer man hinabgleitet desto wundersamer, aber auch faszinierender wird es.
Und irgendwo, tief unten im Marianengraben der kreativen Suppe, wo die Ideen noch nicht so maßlos überfischt sind wie an der Oberfläche, befindet sich der Lebensraum des „King of Agogik“, des selbsternannten Königs der musikalisch-interpretativen Tempovariation.
Es dauert eine ganze Weile, bis man sich an das kalte Wasser gewöhnt hat; aber wenn man die nötige Geduld aufbringt, und es einem gelingt, sich dort unten wohl zu fühlen, kann man langsam aber sicher beginnen, die Vielfalt des Instrumentalen Improvisations- und Kompositionsmenüs schätzen zu lernen. Den meisten Besuchern dieser ungewohnten Welt, inklusive mir, wird es wohl nicht vergönnt sein, in sämtlichen Schöpfungen das zu entdecken, was die individuelle Erwartung an das akustische Erlebnis vollends befriedigt – aber wer bereit ist, ein wenig Zeit zu investieren, hat gute Chancen auf einen Leckerbissen der besonderen Art.
Selbst bei den Songs, denen man kein überdurchschnittliches Hörvergnügen abringen kann, dürfte doch zumindest ein anerkennendes Kopfnicken ob der instrumentalen Fähigkeiten der Akteure bei den wenigsten ausbleiben.
Jedenfalls aber erwartet die meisten Hörer von „Aleatorik System“ eine musikalische Horizontserweiterung, eine interessante Abwechslung im akustischen Alltag.
William Wormser



