Spillyck
Dudelsackmusik nach 17 Motiven im Kölner Dom
Beschreibung:
Die Musiker von SPILLYCK (niederbergisch für ?Spielleute?) haben sich der Musiktradition der alten Herzogtümer Jülich/Cleve/Berg verschrieben. Vergessen geglaubte Tänze vom Niederrhein, wie flotte Polkas, flinke Siebensprünge und fetzige Rheinländer, bringen die Füße der Zuhörer zum Wippen und laden zum Mittanzen ein. Strahlende Hymnen des Witzheldener Komponisten Johann Wilhelm Wilms, einem Zeitgenosse Beethovens, und traurige Balladen des in der Nähe von Lennep aufgewachsenen Liedersammlers Anton Wilhelm von Zuccalmaglio (?Kein schöner Land?) erklingen.
Der Sound von SPILLYCK wird vor allem durch den Dudelsack geprägt. Dieser war in früheren Zeiten in ganz Europa, so auch im Rheinland und im Bergischen sehr beliebt, wie die schönen Bilder mit Dudelsack spielenden Engeln im großen Kirchenfenster des Altenberger Doms sowie die Schnitzereien im Chorgestühl mit Dudelsack quetschenden Teufeln dort und in zahlreichen anderen Kirchen und Kapellen der Region belegen.
Die Musiker spielen nach Absprache in den alten rheinisch/bergischen Trachten und erzählen zwischen den vorgetragenen Musikstücken Anekdoten und Wissenswertes aus alten Zeiten.
Vorwort zur CD Pipers' Cathedral:
?Dudelsack? ? schon dem Namen des Instrumentes haftet etwas Derbes, fast Vulgäres an. Ist ?Dudeln? nicht ein Synonym für die nervigen Klänge, die uns entgegenschallen, wenn wir Ruhe suchen? Auch der ?Sack? ist heute eher als Schimpfwort in Gebrauch. Und äußerlich erinnert das Instrument durchaus an sehr körperliche Dinge. Kein Wunder, dass der Dudelsack hin und wieder als obszönes, teuflisches Klangwerkzeug galt.
Aber wie kam er dann in den Kölner Dom? Mindestens siebzehn Dudelsack-Darstellungen der letzten siebenhundert Jahre finden sich im Inneren und an der Fassade der mächtigen rheinischen Kathedrale: in Fenstermalereien und Bodenmosaiken, in Steinskulpturen und Holzschnitzereien. Gespielt wird das Instrument in diesen Darstellungen von Tanzmusikanten oder teuflischen Mischwesen aus Mensch und Tier, aber auch von Hirten und sogar von Engeln.
In der Vergangenheit war der Dudelsack beides: mal argwöhnisch beäugtes Musik-Werkzeug der Unterschicht, mal Instrument der Engelschöre. Man spielte ihn zu bacchantischen Saufgelagen, aber ebenso zur Begleitung frommer Gesänge im Gottesdienst.
Auch im Klang des Dudelsacks vereinen sich irdische und himmlische, komische und kosmische Elemente. Mal blökt ein Lämmlein oder quiekt ein Schwein ? und verrät damit die animalische Herkunft des Sacks aus einer Tierhaut; mal entfaltet sich eine üppige Klangpracht aus weichen Bässen, vielfältigen Obertönen und endloser Harmonie ? denn der ?Atem? des Dudelsacks ist sozusagen unendlich, sprich: göttlich?
Mit dicken Backen (oder einem Blasebalg) pustet der Spieler den Sack auf. Dieser prall gefüllte ?Luftspeicher? wird dann mit dem Ellbogen gepresst, so dass die Luft in die Spielpfeifen entweicht und die dort angebrachten Rohrblätter zum Schwingen bringt. Außer der Melodiepfeife mit Grifflöchern haben die meisten Dudelsäcke eine oder mehrere Bass-Pfeifen, die einen immer gleich bleibenden Ton erzeugen, den sogenannten ?Bordun?.
In mittelalterlichen Zeiten eignete sich das Instrument für unterschiedlichste musikalische Gattungen und Gelegenheiten. Choralmelodien, Tanzlieder oder Vortragsstücke basierten auf einem Grundton; der wurde von der Bordunpfeife geliefert, die einen passenden Klangteppich unter die Melodie legte.
Als sich in der Renaissance die Mehrstimmigkeit entwickelte und damit ein ?harmonisches? Bewusstsein entstand, störte dieser gleichbleibende Grundton; denn Merkmal der neuen Kompositionskunst war ja gerade der Wechsel von Bass-Tönen. Nach und nach verschwand der Dudelsack aus der Musik der höheren Schichten.
In der Volksmusik überlebte er ? nicht nur in Schottland: zwischen Malta und Malmö, von Galicien bis Galizien, überall in Europa waren oder sind bis in unsere Zeit unterschiedliche Formen des Dudelsacks in Gebrauch. Auch das Rheinland kannte die ?Sackpief?; das belegen Bilder und Beschreibungen, Märchen und Melodien zwischen Mittelalter und Romantik. Irgendwann im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert endete diese musikalische Tradition.
Das Quartett ließ sich von den Dudelsack-Darstellungen im Kölner Dom inspirieren, die wechselhafte Geschichte des Instrumentes nachzuzeichnen. Dabei geht es den Musikern nicht um eine ?historisch korrekte? Rekonstruktion der Klänge vergangener Jahrhunderte, sondern eher um eine Phantasie-Reise:
Melodien aus dem Rheinland, aber auch von anderswo sowie eigene Kompositionen; Musik aus Kirche, Kirmes und Karneval, farbig arrangiert und locker musiziert.
Tom Daun
Besetzung:
Rafael Daun: Dudelsäcke
Christian Starke: Dudelsäcke, Flöten, Schalmei
Ruthilde Holzenkamp: Akkordeon
Thórralf Schuh: Percussion
Discographie:
Pipers' Cathedral (oomoxx)
Einflüsse:
Spillyck
Label:
oomoxx
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