15.10.2007 Freiburg
Gesehen: TONI-L & the Safarisounds im Auditorium.
![]() TONI-L & the Safarisounds |
Im Hip Hop alles Funk ?
Es war Ende der 80ziger Jahre als der Rap in Deutschland Fuß fasste und Anfang der 90iger als die Fantas mit "Die da" als "erste Deutsche
Rap-Formation die Charts stürmten. Dabei erinnern sich die Kenner, dass es nicht Stuggitown war, wo der erste Deutsch Rap entstand, sondern das eher beschauliche Heidelberg, welches als Keimzelle des Deutschraps angesehen werden kann.
Erst ein Jahr später sollten Advanced Chemistry mit ihrem Charthit "Fremd im eigenen Land" den Ihnen gebührenden Respekt erhalten. Gut kann ich mich daran erinnern, als ich zum ersten mal Deutschem Rap mit politischer Ausagekraft begegnete. Toni L. zusammen mit den Deutschrap-Legenden Torch, Linguist, Gee One, und DJ Mike MD waren wohl die erste auf deutsch rappende Formation Deutschlands und für mich Vorbilder einer ganzen Generation von in Deutschland aufgewachsenen Immigranten. Dieser Multikulti Haufen aus den unterschiedlichsten Kulturen setze mit "Welcher Pfad führt zur Geschichte" und "Operation Artikel 3" noch weitere Hits drauf, bis die Mitglieder eigene Wege gingen. Toni L. gründete zusammen mit Anderen das Musiklabel MZEE und veröffentlichte seine Solo-Alben "Der Pate" und "Der Funkjoker". Nach einer mehrjährigen Pause nun seine neueste Veröffentlichung. Zusammen mit der Funk Combo Safari Sounds das Album "Funkanimal"
Beginnen sollte der Abend mit [bih'tnik], da die angekündigten "Jungs aus dem Hof" kurzfistig abgesagt hatten. Die in der Regio längst bekannten [bih'nik] aus Lörach heizten auch sogleich mit ihrer eigenen Mischung aus Hip Hop Gesang und echten Instrumenten dem Publikum mächtig ein. Sehr überzeugend in Ihrer ganzen Live Performance boten [bih'tnik] einen groovigen Einstieg in den Abend und brachten den Saal des Auditoriums auf Betriebstemperatur. Ungeheur präzise und eingespielt was [bih'tnik] da live boten, sehr geil auch das sehr zurückgesetzte Keybord welches mit dem Bass für den richtigen Backround der zwei Sänger sorgte. Schade das [bih'tnik] nur mit einem Kurzprogramm aufwarteten, denn die Hände waren oben und die Stimmung gerade richtig für den nun kommenden Funkanimal Toni L.
Die neunköpfigen Safari Sounds sollten nun im Laufe des Abends den perfekt groovenden Background für einen sich in Höchstform präsentierenden Toni L. bilden. Das Funkanimal ging auf das Publikum los und sollte auch den letzten nicht mehr seine Füße still halten lassen. Funk pur mit dem einheizenden Sound einer starken Bläsergruppe verfehlten Ihre Wirkung nicht und bildeten mit den Entertainer-Qualitäten von Toni L. und seinem weichen Heidelberger Slang eine ganz eigenes Feeling. Ziemlich real wirkt es, wenn Toni L. von alten Tagen in Heidelberg und seiner Ninja Kampfmaschine erzählt. Erfrischend unaufgesetzt wirkt, wie Toni L. durch den Abend führt. Und zu rapen hat er auch nicht verlernt. Verwundert stellt man fest das im deutschen Hip Hop wohl eine Rückbesinnung auf die ganz alten Wurzeln stattfindet, oder warum Touren so Leute wie Jan Delay ebenfalls mit einer Funk Combo durchs Land?
R&B, Funk, Hip Hop , Soul an diesem Abend bekam man von allem etwas und das Publikum konnte zufrieden feststellen, eine sich treu gebliebene Größe des Deutschen Hip Hops erlebt zu haben.
Stephan Sprehe
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