14/01 2008

Gehört: Tacheles "Jetzt wird Tacheles geredet".


Tacheles aus Duisburg fand 1999 inspiriert durch den Wu-Tang Clan zum Rappen. Nach ersten musikalischen Gehversuchen in anderer Formation gründete er 2005 mit B-Doub & Dicey-K die Crew Cradle to the Grave. In dieser Konstellation war er sehr produktiv und nach zahlreichen Auftritten mit Cradle to da Grave veröffentlichte er nun sein Debüt-Soloalbum "Jetzt wird Tacheles geredet".

Das "Intro" des Albums begrüßt den Hörer mit einem jazzigen Saxophon und pegelt die Hörerwartung stimmungsmäßig schon mal auf smooth ein. Und richtig gedacht: Was folgt sind 19 Songs plus ein Outro, die sich ein wenig in die Hochzeiten von De la Soul und A Tribe Called Quest ansiedeln lassen. Die Beats sind sehr entspannt und erdig gehalten und klingen nach MPC.

Samples aus Jazz- und Soulcrates, groovende Basslines und dirty Drums lassen 90s-Flavour aufkommen und laden zum Zuhören und Mitnicken ein. Der Großteil der Produktionen stammt von B-Doub, weitere Beats kommen von DJ Dextra, Suspee, DJ Mike Ill und von Tacheles selbst. Auch diese gehen gut klar und verbreiten angenehme Smoothness.

Raptechnisch macht Tacheles seinem Namen alle Ehre, da er eine Reihe verschiedener Themen behandelt und dabei relativ schnörkellos auf den Punkt kommt. Tacheles erzählt in Tracks wie "Mein Leben" featuring B-Doub einfach aus seinem Alltag, aber auch von seiner Vergangenheit und davon, dass man sich manchmal von schlechtem Umgang trennen muss, um einen "Neubeginn" zu schaffen.

Tacheles gibt mit einer Art Christiane F.-in-2:49min-Story zu bedenken, dass der Ausweg aus Drogenproblemen manchmal "Zu weit weg" erscheinen mag, doch macht auch direkt wieder Mut, denn "Es ist egal, wer du bist", jeder kriegt eine zweite Chance. Er schiebt nicht konstant "Deprirunden" wegen ungerechter Politik und eben sowenig haben die Songs auf dem Album mit verklärender Ghettoromantik zu tun, im Gegenteil: Tacheles zeigt eine nachdenkliche Seite von sich gepaart mit einer positiven Kopf-hoch-Einstellung.

 

Dass er mit Gangstertum nichts zu tun hat, beweist er auf "Gangstah Denkstah" mit der unterhaltsamen Skizzierung einer typischen Kleinkriminellenkarriere, die ebenso typisch im Knast endet. Representing gibt es hier und da auch, seine Liebe zu HipHop bekundet Tacheles auf "Musik ist mein Leben". Bei jedem Song kommt er sehr sympathisch und entspannt daher, sogar der "Wack MC", dem Tacheles auf gleichnamigem Track ein Karriereende nahe legt, würde danach wohl noch ein Bierchen mit ihm trinken gehen.

 

Bei allem was er erzählt, redet Tacheles nicht viel um den heißen Brei herum, dies unterstreicht auch sein Rapstyle: Er flowt eher laid back, die Reimkonstruktionen sind ziemlich reduziert gehalten. Erscheint dies auf den ersten Blick als Manko, so passt dieser Style beim zweiten Hören jedoch sehr gut zu den Beats und zu der Gesamtatmosphäre des Albums und lässt Freiraum für Inhalte. Ein bisschen Native Tongue-mäßig.

Tacheles, der auf einigen Songs auch singt, legt sehr viel Emotion und Persönlichkeit in die Tracks, kommt sehr gut auf den Punkt und schafft es, seine Gedanken an den Hörer weiterzugeben. Unterstützung am Mic bekommt er dabei von Dicey-K, Suspee, Querschlag und B-Doub, der sich nicht auf ein Dasein hinter den Reglern beschränkt.

"Jetzt wird Tacheles geredet" ist ein ehrliches Album ohne Doubletime-Raps und Überreime, jedoch mit viel Soul, Gefühl und Inhalt sowie positivem 90s Flavour.