18.07.2008  Essen

Gehört: THOUGHTS PAINT THE SKY “schlicht & ergreifend”



schlicht & ergreifend

THOUGHTS PAINT THE SKY - Das Schöne und das Biest

 

Wer hat schonmal Schokolade in die Tomatensoße geworfen?

 Erdbeeren in den Rucola-Salat geschnippelt?

 Senf aufs Marmeladebrot geschmiert?

 

Wer vor solchen Experimenten nicht zurückschreckt, der sollte durchaus mal „thoughts paint the sky“ als Hintergrundmusik für die nächste Koch-Session in Erwägung ziehen. Wen man dann gemütlich dabei ist, sein Spargelcrèmesüppchen langsam zum Köcheln zu bringen, sollte man sich vernünftiger Weise doch gleich das Hackmesserset zurechtlegen, denn der Hauptgang ist Schlachtplatte. Serviert auf einem Blumenbeet.

 

Während sich in den Clubs, iPods, Radios und Handys der extravaganten, eigenwilligen Generation der jungen Indvidualisten seit Wochen und Monaten ein graugrüner Einheitsbrei von nichtssagendem Schlafmützenrock fortwährend und unermüdlich selbst umrührt, erwacht das aus purer Langeweile bereits für taub erklärte Ohr doch auch heute noch gelegentlich aus seiner Erstarrung. Bands mit eigenen Ideen sind eben genauso selten wie Politiker mit eigener Meinung oder Künstler mit eigener Wohnung.

Bei „schlicht & ergreifend“, dem 2007 erschienenen, bereits zweiten Album der Essener Progressive-Band darf man durchaus überrascht sein: Friedlich einhersäuselnde akustische Gitarren werden urplötzlich und wie aus einem Hinterhalt von blutdurstigen Berserkern überrannt, und während im Hintergrund noch die Sonne aufzugehen scheint, bricht vorne bereits der nächste Vulkan aus.

 

Mit der Kreuzung von Unplugged-Idylle und Screamo-Inferno macht das Quartett einen gewagten Sprung in teilweise unerforschte Klanggegenden, und gerät dabei in so manch geheimen, lauschigen Winkel, nicht ohne dabei auch gefährliche Grenzgebiete zu durchqueren. Der spontanen Eingebung huldigende Musik, die bewusst den leichten Zugang versperrt hat, um den anspruchsvolleren Genießer anzulocken und zum längeren Verweilen einzuladen.

 

Gerade von diesem Standpunkt aus stechen jedoch bedauerliche Nachlässigkeiten wie unsauber gestimmte Instrumente, stark germanisch eingefärbtes Englisch oder teils kränklich wirkende Lead-Vocals deutlicher heraus. Bleibt zu hoffen, dass sich die Jungs dem Potential ihres Projekts noch nicht vollauf bewußt sind, und wir in Zukunft vielleicht mit konsequenter produziertem Material beehrt werden. Lust auf mehr bekommt man allemal, und bei einem der zahlreichen Livekonzerte im August und September 2008 sollte man damit wohl auch auf seine Kosten kommen.

 

Abschließend gesagt ist es mit THOUGHTS PAINT THE SKY genauso wie bei einer Ananas-Knoblauch-Pizza: Probiert es mal. Ist eben Geschmackssache.

Und ein guter Rat noch mit auf den Weg: Zwiebel mit Nutella ist wirklich ekelhaft.

 

 

A. Czybulski

 

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