04.06.2007 Leipzig
Gesehen: COPPELIUS WGT Leipzig 2007
![]() COPPELIUS |
Mitunter lohnt es sich für eine Band ein Markenzeichen zu entwickeln. Die einzige Information, die ich vor dem Konzert am 28. Mai zu COPPELIUS hatte war, dass sie mit Zylinder und Frack auftreten – dazu noch, wie ich wenig später herausfinden sollte, mit Vatermörder, Gehrock, sowie einem Butler, der vor dem Auftritt die Stühle der Musiker „abstaubt“ und während des Konzertes mindere Dienste wie Instrumenteanreichen u.ä. verübt, diverses Schlagwerk spielt oder Gesangstimmen übernimmt. „Klingt ja interessant,“ dachte ich, und zumindest mich, vermutlich nicht als einzigen Besucher in der wohl gefüllten Agrahalle, hatte die Band ohne vorherige Kenntnis ihrer Musik also allein durch ihren Stil als Zuschauer gewonnen.
„Hast Du eine Ahnung was für Musik die machen?“ fragte ich im Fotografengraben angekommen meinen Nebenmann. „Mit Cello und Klarinette, nicht so Mittelalterzeug – ganz abgefahren,“ teilte mir dieser mit und zum zweiten Mal an diesem Tag dachte ich mir „klingt ja interessant.“ Doch das eigentliche Erstaunen kam erst noch, denn die spontane, nur halb-begeisterte Assoziation mit Apocalyptica bewahrheitete sich nur sehr begrenzt. Sobald der Butler kurz danach von der Band gefolgt die Bühne betrat wurde das Ganze optisch mehr als interessant – die fünf Herren aus Berlin haben Stil! – und bereits die ersten Takte machten klar, dass die Musik nicht nur Headbang-Qualitäten hat, sondern auch abwechslungsreich, anspruchsvoll und virtuos ist. Wie nicht zuletzt im Schlagzeugsolo von Nobusama eindrucksvoll demonstriert weiß jeder Musiker was er tut und die verschiedenen Gesangstimmen und Instrumentalpassagen der Musiker lassen im Gegensatz zu für Cello umgeschriebenen, ohne Text recht halbherzig wirkenden Hetfield-Gesanglinien keine Langeweile aufkommen, erstaunlich, definiert sich die Band bis zu einem gewissen Teil doch durch Iron Maiden Cover.
Doch gerade die eigenen Songs wie der als zweites Lied gespielte Song „Coppelius“ während dessen mir endlich klar wurde dass ich den Namen der Band nicht aus irgendeiner Zeitschrift, sondern aus Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ kenne, überzeugen neben der Bühnenshow. Als nach dem ersten Lied die Zylinder abgezogen und über die Mikrofonständer und Bassköpfe gehängt wurden, war auch die steife Haltung passé und die Herren schüttelten zu mit Doublebass unterlegten Kontrabass, Cello und Klarinettengrooves das Haupthaar. Der Auftritt ließ am Ende lediglich zwei Fragen offen, warum war er gerade mal 30-Minütig und wann kommt endlich die erste „richtige“ CD der Band und vielleicht noch interessanter ihre Live-DVD, die beide für den Herbst angekündigt sind.
COPPELIUS ist in jedem Fall ein Act, den man sich merken und live nicht entgehen lassen sollte. Wer sich schon vor dem nächsten Auftritt der Band (beim Castlerock in Mülheim an der Ruhr) einen ersten, wenn auch nur ungenügenden Eindruck, ihrer Performancequalitäten verschaffen will sei auf ihr Video „I get used to it“, das u.a. auf der Myspace-Seite der Band www.myspace.com/coppeliushilft zu finden ist, verwiesen.





