24/04 2007

Gesehen: Tess Wiley & Rivulets am 26.5.2007 im Cafe Nun / Karlsruhe


Diese Stille - angehaltener Atem. Das sind die Pausen, wenn Tess Wiley nicht spielt und das Publikum mit Spannung die nächsten Töne aus Ihrer Gitarre oder Ihre ätherische Stimme erwartet. Nach jedem Song dauert es eine Sekunde, bevor der Applaus losbricht. Man will nicht den Fehler machen in diese Songperlen reinzuplatzen, bevor der letzte Ton verklungen ist. Tess Wiley, an diesem Abend zu Gast im Karlsruher Cafe Nun. Das Publikum im Cafe Nun ist ein besondereres und das weiss man, wenn man einmal ein Konzert dort besucht hat.

Keine störenden Konzertquatscher die einem den Genuss der Darbietung verleiden. Nur Musik. Und davon eine Menge. Das gesamte aktuelle Album "Superfast Rock`n`Roll played slow" bringt sie an diesem Abend zu Gehör. Die in Giessen lebende Texanerin hat die Gabe, alleine mit ihrer Stimme und der Akustikgitarre große und kleine Gefühle zu besingen und das sehr reduziert. Der countryeske Einfluss ist unüberhörbar und gefällt sehr. Ihre Stimme bricht regelmäßig weg um sich dann im nächsten Moment eine Oktave höher wieder voll einzufinden.

 

Sehr reduziert geht es dann auch weiter mit Nathan Amundson`s Bandprojekt Rivulets. Zusammen mit seinem Mitstreiter an den ebenfalls sehr reduzierten Drums (Bassdrumersatz = Schellenkranz) versetzt er das Publikum in tiefe Trance. Musik als Selbsttherapie! Die TAZ beschreibt ihn als ein Rolemodel für junge Menschen, die sich auf der dunklen Seite des Lebens wähnen. Der Sound, ein Soundtrack um sich die Pulsadern aufzuschneiden. Zweiakkordsongs über weinerlichem Gesang.

 

Kann man mögen, muss man aber nicht! Der Abend endet somit mit dem vorzeitigen Rückzug über den Notausgang.

 

www.wileyrock.de

 

alexander.wernet@regiomusik.de