01.06.2008  Ludwigshafen

Gesehen: THE NEW AMSTERDAMS und IN THE PINES am 29.05.08 in "Das Haus"/ Ludwigshafen


Schon zu den aktiven Zeiten der 2005 aufgelösten Get up kids unterhielt deren Sänger und Gitarrist Matt Pryor - zum Teil mit Musikern derselben - das illustre Nebenprojekt NEW AMSTERDAMS. Abseits des Emobooms um seine Hauptband widmete er sich ausgiebig dem Folk, Country und Americana. Sechs großartige Alben veröffentlichten die NEW AMSTERDAMS seit 2000. Das aktuelle Album „At the foot of my rival“ erschien im Mai diesen Jahres auf Arctic Rodeo und wurde am 29. Mai 08 in „Das Haus“ in Ludwigshafen live zelebriert.

Nach einiger Verwirrung im Vorfeld – das Konzert wurde vom Heidelberger Karlstorbahnhof nach Ludwigshafen verlegt - fanden sich ca. 70 Entschlossene im „Haus“ ein und durften zuerst dem Support IN THE PINES lauschen. Die Labelkollegen der AMSTERDAMS sorgten knappe 45 Minuten für intime Gemütlichkeit. Vier Jungs auf Stühlen sitzend und zwei Violinistinnen formten aus ihrer geballten Melancholie traurige Folksongs, die getragen und nie zu laut intoniert wurden. Dezent und behutsam wurden die Noten und Akkorde in den Raum getupft, nur selten begehrte man auf. Ein insgesamt gelungener Einstieg in den Konzertabend.

 

Die NEW AMSTERDAMS waren dagegen flotter unterwegs. Wenn auf den Alben die Songs mit viel Gefühl geradezu dahin schmolzen, kamen Frontmann Pryor und seine drei Mitstreiter live rockiger daher. Der Opener „Wait“, das göttliche „Fountain of youth“ und eine irrwitzig punkige Version von „Every double life“ vom Debütalbum zeigten die NEW AMSTERDAMS in ausgelassener Spiellaune und sorgten für kollektives Wohlgefühl im Publikum. Dieses taute nach erster Zurückhaltung mit jedem Song mehr auf und erfreute sich  an einem ausgewogenen Querschnitt aus allen Alben.

 

Ruhiger wurde es mit Songs wie dem verhaltenen „Silverlake“. Pickende Gitarren und ein mit Bogen gespielter Kontrabass schwebten schwerelos durch den Raum. Einschmeichelnde und doch flüchtige Melodien erwärmten die Herzen der Zuhörer und Pryor sang mit heiserer Stimme über die großen Probleme der kleinen Leute.

„Without a sound“ bildete - unterstützt von den beiden Violindamen der Vorband -  nach einer guten Stunde den Abschluss. Zur Zugabe erschien Matt Pryor solo und spielte vier Songs auf Zuruf des Publikums, bevor er seine Band zu einem letzten Song nochmals auf die Bühne bat.

 

Ein schöner Abend war zu Ende. Beide Bands präsentierten sich unprätentiös sowie zutiefst ergreifend. Und ein wohlig warmes Gefühl sollte  jeden auf seinem Heimweg begleiten.

 

Text: Christian Hautz

Fotos: Anika Meier

 

 



THE NEW AMSTERDAMS