Regiomusik das Musikportal: Gesehen: A boy and his sid auf dem Microdisco Open Air


02.08.2008  Berlin

Gesehen: A boy and his sid auf dem Microdisco Open Air



C-64 Microdisko

Die Tentstation liegt in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs, also irgendwo im Niemandsland. Sie ist nichts anderes als ein junger, hipper und alternativer Zeltplatz auf dem Gelände eines ehemaligen Schwimmbades. Das Publikum kommt aus ganz Europa, so dass man viel englisch, italienisch, französisch und spanisch hört. In den alten Schwimmbecken kann man Volleyball oder Fußball spielen, auf den Stufen des Freibades haben sich Birken angesiedelt, alles in allem hat das Gelände einen gleichzeitig lebendigen, wie auch morbiden Charakter. Unter dem Dach der ehemaligen Tribüne steht eine Bar, die Deutschland von seiner besten Seite zeigt (Rothaus, Tegernsee hell, Berliner, Edelstoff. Looza-Saft, Afri-Cola) und hier findet auch das Open Air statt. An die Decke der Tribüne hat man alte Schallplatten und Luftballons gehängt.

 

Das Microdisco Open Air hat sich der 8-Bit-Musik verschrieben. 8-Bit-Musik – das ist Drum’n’Bass und Elektrodisco erstellt auf 8-Bit-Computern, insbesondere dem C-64, in der Tradition von Chris Hülsberg und Co. C-64, Amiga und wie sie alle hießen - das waren die Computer der 80er, damals, als sie noch quietschten und regelmäßig geölt werden mussten. Beep, beep, beep, macht der 8-Bit-Antrieb.

Das Konzert fängt etwas später an und dann überraschenderweise mit einem Vortrag über die Entwicklung hin zum 8-Bit-Computer, sowie deren Einsatz als Musikinstrument. So erfährt man z.B., dass Pac-Man ursprünglich Puc-Man heißen sollte, dann aber auf Grund der Nähe zum berüchtigten F-Wort nicht so heißen durfte.

Die Bühne besteht aus einer Leinwand, einem Tapeziertisch, zwei Laptops, einigen elektronischen Hilfsmitteln und einer Anlage. Die Verkabelung würde jeden Airbustechniker vor Neid erblassen lassen. Nach dem Vortrag legt der erste DJ mit seinem so genannten Live-Set los, die Dreadlocks tanzen durch die Luft und es kommt schnell Stimmung auf, die Leute schwingen ihre eins, zwei, drei Beine und Maniac Mansion Sounds gemixt mit Nirvana, Dick Dale oder bayerischer Tanzmusik beherrschen den Äther. Auch die anderen DJs werden auf der gleichen Welle reiten.

Passend dazu gibt es einen Wolkenbruch und die Schweizer Botschaft veranstaltet zum Nationalfeiertag ein Feuerwerk. So tanzen wir vor herrlicher Kulisse ein wenig durch Zeit und Raum, es lebe der Retroscheiß und es leben die Freaks, yeah!

 

Gunter