05.05.2008  Brisbane

Gehört: ROBERT FORSTER "The evangelist"



Robert Forster "The Evangelist"

Lieder für Grant.

Mit „The evangelist“ gelingt dem Australier ROBERT FORSTER nicht nur ein Meisterstreich in Sachen Indiepop, sondern ein Album voll Reminiszenzen an seinen im Mai 2006 so unerwartet verstorbenen Go-Betweens Partner und Freund Grant McLennan.

 

Von den ersten, behutsam aus den Boxen tröpfelnden Gitarrenakkorden des zerbrechlichen „If it rains“ bis zum finalen Klavier- und Streicherepos „From ghost town“ begegnet man immer wieder großen, in wärmende Melancholie getauchte Melodien. Mit zurückhaltender und akzentuierter Instrumentierung und überraschend harmonisch-zarter Stimme führt uns Forster durch zehn durchweg großartige Songs, von denen drei noch zum Teil aus der Feder McLennans` stammen. Dank seines überlassenen Textbuches goss Forster die wenigen, verbliebenen Textzeilen in die drei Übersongs des Albums: das gefühlvolle „Demon days“, der Uptemposmasher „Let your light in, babe“ und das countryeske,  extrem eingängige „If it ain´t easy“.  

 

Lediglich beim aufbegehrenden „Don´t touch anything“ darf auch mal  kurz und mit reichlich Soul gerockt werden, ansonsten geht der seit jeher als exzentrisch geltende Forster mit sehr viel Gefühl an die Songs. Nie zu viel, ein sakraler Moog hier, bedächtige Gitarrenpickings da, alles ist an seinem Platz und lässt „The evangelist“ in friedevoller Harmonie strahlen.

 

Daß ROBERT FORSTER ein genialer Songschreiber ist, weiß man nicht erst seit gestern, doch dass er mit dieser Platte seinem verschiedenen Partner in solch für ihn außergewöhnlichen und betörend-schönen Songs die Ehre macht, ist schlichtweg atemberaubend.

 

 

Christian Hautz