23.07.2008  Stockholm

Gehört: NERVOUS NELLIE "Ego and the ID"



NERVOUS NELLIE

Mit ihrem Debüt "Don´t think feel" von 2005 pflegten die Schweden NERVOUS NELLIE ihre Liebe für rohen und energiegeladenen 90er Indierock und für Bands wie Dinosaur jr., den Pixies und Built to Spill. Ihr Zweitling "Ego and the ID", der am 1. August 2008 in die Läden kommt, schlägt dagegen sanftere Töne an.

 

Freigiebig tauschen die beiden Brüderpaare Jonzon und Johanson die Zerrgitarren gegen Banjo, Violine und akustische Gitarren, greifen tief in die Schatzkiste der Musikgeschichte und basteln aus Folkrock, Country und 60s Pop elf melodieverliebte Songs. Das gelingt mal mehr und mal weniger gut.

 

Mit dem beschwingten "June" eröffnet gleich ein Highlight den Reigen, ein einfacher wie schöner Folkrocker, in dem Gitarre, Banjo und Violine im Wechsel um die schönste Melodie wetteifern. "Tangle to unwind" schmilzt getragen von einem wunderbaren Pianolauf nur so dahin, während das aufbrausende "Since I" in seiner rauhen Direktheit noch am ehesten an ihr Debüt erinnert. Ansonsten herrscht in den Liedern Harmonie und pure Zufriedenheit. Einziges Manko von "Ego and the ID" ist, dass NERVOUS NELLIE- beispielsweise bei "Gold mine" oder "Best of times"- manchmal etwas zu nett und gefällig klingen. Dies wird aber durch Perlen wie das unwiderstehliche "Ever so slight" mehr als nur wettgemacht.

 

Schöner kann erwachsen werden nicht klingen. „Ego and the ID“ verabschiedet gekonnt den ruppigen Sound der Frühphase und führt NERVOUS NELLIE durch ein gelungenes Album mit wenig Längen und viel Gefühl. Verpackt in Songs voll Welt umarmender Harmonie.

 

 

 

 

 

NERVOUS NELLIE "Ego and the ID" (Hazelwood/Indigo)

V.Ö.: 1.8.08

 

Christian Hautz