13.10.2008  Freiburg

Gesehen: The Lemonheads live im Jazzhaus



The Lemonheads

Mit den Cherry Chords aus Freiburg sollte der Abend mit klassischem Country beginnen. Elke Sachsenmaier und Nils Kaiser (beide früher SheGoesBang) breiteten mit nur zwei akustischen Gitarren und ihren Stimmen ihr enormes musikalisches Können aus. Der sehr schön aufeinander abgestimmte Gesang wurde ergänzt durch Niels Kaisers exquisitem Gitarrenspiel. Nicht ohne Grund zählt Niels Kaiser zu einem der besten Rock Pop-Gitarristen im Süddeutschen Raum. Was zahlreiche Zusammenarbeiten mit Künstlern wie Ray & Friends, Atomic Rodeo, Many & The Teddyshakers, Kim Carson, Liquid Laughter Lounge Quartett, Shane Brady zeigen. Auch wenn man nicht unbedingt auf Country steht sind die Cherry Chords auf der Bühne immer ein Konzerteintritt wert.

 

Auf einmal stand er da auf der Bühne des Jazzhauses, Evan Dando der Kopf der Lemonheads. Es muss bereits in den frühen neunzigern gewesen sein als  die Zitronenköpfe das erste mal nach Freiburg kamen. Damals war Evan Dando noch der Womanizer der Grunge Szene und die Lemonheads mit ihrer ersten international aufsehen erregenden Single Mrs. Robinson (Ein Cover von Simon & Garfunkel) auf Tour. Für uns damals eine der aufregendsten College Bands aus den USA. Damals trat Evan Dando, jugendlich ohne T-Shirt und in kurzen Hosen auf, so war man am gestrigen Abend mit dieser Erinnerung im Kopf doch etwas erschrocken über die Wandlung des Lemonheads-Bandleaders.

 

Spurlos sind die berühmten Drogeneskapaden von Mister Dando nicht an Ihm vorbei gegangen und ganz, so hat es zumindest den Anschein, ist er die Probleme auch nicht los geworden. Evan Dando beginnt alleine ein paar alte bekannte Stücke zu spielen und hat einen hoffnungslos zu laut aufgedrehten Gitarrensound so das es etwas in den Ohren schmerzt.

 

Alle Songs wirken etwas verwaschen und sind nicht wirklich sauber gespielt. Aber was Evan Dando berühmt gemacht hat, sind sicher nicht seine Gitarrenkünste sondern sein Melancholischer Gesang und seine warme Stimme. Auch die hätte er fast seinem Drogenexessen geopfert aber er hat sie noch, die ihm eigene eindringliche Art mit der er seine nach wie vor perfekten Indie-Pop-Songs zum besten gibt.

 

Erst nach 5 bis 6 Liedern kommen der Bassist Karl Alvarez und Drummer Bill Stevenson von The Descendents ebenfalls auf die Bühne und das ganze Setting erhält sofort mehr Druck und die Songs erhalten ihren Wiedererkennungswert. Da sind sie also wieder die alten Songs von der 92ziger Platte It's A Shame About Ray. Meiner Meinung nach immer noch ein Stück zeitloser Popgeschichte. Songs wie Bit Part, It's A Shame About Ray, Allisons Starting To Happen zeigten schon damals das die Lemonheads eins ganz besonders gut können, nämlich eingängige und wunderschöne Songs zu schreiben. Die Unbekümmertheit dieses Songs die gleichzeitig immer eine gute Priese Melancholie enthalten, haben über die Jahre nicht an Strahlkraft verloren, auch wenn der Gesang live nicht mehr alle Höhen aus zu loten scheint ist es gerade das schnörkellose und das einfache was sie so eindrücklich machte und macht.

 

Irgendwie scheint es aber für die Lemonheads aber seit den 90zigern künstlerisch und soundtechnisch nicht weiter gegangen zu sein. Kurt Cobain ist tot es gab den 11. September und irgendwie scheint es als wolle Evan Dando noch immer so klingen als sei er in Boston auf dem College.

 

Leicht gebückt ist seine Haltung an der Gitarre aber ab und an blitzt der leicht verwirrte Jugendliche Charme noch auf auf der Bühne. Manch einer mag dies traurig finden andere begnügen sich mit den Erinnerungen die er einem damit gibt. Ein Auftritt der sicher gemischte Gefühle hinterlässt sich aber somit auch gelohnt hat.

 

Bildergalerie



The Cherry Chords


The Cherry Chords


The Cherry Chords


The Lemonheads


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nein*
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