17.10.2008 Mannheim

Gesehen: THE LEMONHEADS in der alten Feuerwache/ Mannheim

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Saure Zitronen



Lemonheads

Die Ankündigung eines neuen LEMONHEADS Albums – 10 Jahre nach dem letzten Werk „Car button cloth“ – war 2006 für viele ein Grund zu jubeln. Und als das Album die hohen Erwartungen sogar noch übertraf, hatte sich LEMONHEADS Boss Evan Dando nicht nur von seiner Karriere als Junkie etabliert, sondern fand auch ohne Umwege zur Klasse seiner frühen und mittleren Tage zurück. Auf der anschließenden Tour sah man eine spielfreudige, energetische Band und einen nüchternen, konzentrierten Dando, der auf ganzer Linie live überzeugte. Von daher dachte man, könne nicht viel schief gehen beim Konzert am 15. Oktober 2008 in Mannheim.

 

Zunächst sagte die Vorband, deren Namen ich leider vergessen, aber auch noch nie gehört habe, ab. Halb so wild, denn die Vorstellung, die LEMONHEADS würden das Zeitloch mit einem längerem Gig füllen, war durchaus angenehm. Und so schlurfte Ober-Zitronenkopf Dando in leicht ungepflegtem, aber beschwingten Zustand recht zeitig auf die Bühne und vertrieb erstmal einen Fotografen mit beängstigend großer Kamera vom Bühnenrand. Los legte er mit einer schamchtend-schönen Soloversion des Klassikers „The outdoor type“. Doch bei all der Schönheit und bei all der songwriterischen Kraft, die hinter diesem Mann steckte, wirkte er zerfahren und rastlos. Das Unheil nahm mit dem Eintreffen der -erneut umgestellten Band dann seinen Lauf. Das anschließende „Down about it“ wurde noch einigermaßen sauber und energetisch in die Menge geschleudert, dann verlor sich der Auftritt in dem von Minute zu Minute desolater werdenden Zustand von Evan Dando. Zum Teil unfähig seine Gitarre zu bedienen, trat Dando wahllos auf seine Verzerrpedal, drehte sich beim singen vom Mikro weg und zeigte keinen Moment die Klasse und die Spielfreude, die er noch vor zwei Jahren auf die Bühne brachte. Die gerade mal durchschnittliche Backingband kam nur mit Mühen mit den Eskapaden ihres Chefs mit. Besonders der Schlagzeuger hatte beizeiten große Probleme, den musikalischen Gedankensprüngen und dem spunghaften Gitarrenspiel von Evan Dando zu folgen. Stimmlich voll auf der Höhe zerlegte er nacheinander all die lieb gewonnenen Klassiker, deren Auswahl alles andere als berauschend war. Zwar spielten sie Hymnen wie „My drug Buddy“, „It´s a shame about Ray“, „Big gay heart“ oder „If I could talk“, aber heiß ersehnten Kracher wie „Kitchen“ oder „Bit part“ blieben außen vor. Vom neuen Album gab es überhaupt kein Stück zu hören. Sehr schade, denn mit „No backbone“ und der Single „Become the enemy“ hätten die LEMONHEADS zwei sichere Hits im Petto gehabt.

 

Nach knapp 40 Minuten war dann Schluß und die LEMONHEADS gingen von der Bühne. Die Zugabe linderte die Enttäuschung ein wenig. Dando kam ohne seine Band zurück und startete mit „I don´t care“ von den Ramones, das nahtlos in „Rabbit“ vom LEMONHEADS Frühwerk „Lick“ überging. „Divan“ wärmte noch mal kurz die Herzen, doch konnte das die Enttäuschung über dieses misslungene Konzert nur wenig mildern.

 

Das LEMONHEADS Konzert in Mannheim war für viele Fans eine bittere Pille. Hatte man Evan Dando schon auf dem Weg der körperlichen und geistigen Besserung gesehen, so präsentierten er und seine Band sich an diesem Abend in miserabler Form. Die schönsten Momente waren sicherlich die Songs, die Dando alleine mit Gitarre spielte. Eine Soloshow wäre an diesem Abend sicherlich besser verlaufen. So bleibt ein Konzert mit wenig Höhepunkten und einer Horde enttäuschter Fans, zu denen auch ich gehöre.

 

 

Christian Hautz

 

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1. Black Gown   
2. Become The Enemy   
3. Pittsburgh   
4. Let's Just Laugh   
5. Poughkeepsie   
6. Rule Of Three   
7. No Backbone   
8. Baby's Home   
9. In Passing   
10. Steve's Boy   
11. December   

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