21.06.2010  Neuhausen ob Eck

Gesehen: Southside Festival 2010


Für das letzte Wochenende vor dem offiziellen Sommeranfang wurde besonders festivaluntaugliches Wetter in der schwäbischen Provinz angekündigt: Dauerregen, Wind, gewöhnungsbedürftige Temperaturen. Schon die Anreise am Donnerstag versprach nichts Gutes. Es goss aus Kübeln und der Zeltplatz glich schon einem Schwimmbad. Trotzdem wirkten die meisten Besucher noch gut gelaunt und freuten sich offensichtlich auf das anstehende Wochenende auf dem Southside Festival, dessen Lineup von Namen wie Massive Attack, The Prodigy und den Dauergästen Beatsteaks geziert wurde. Das Wetter besserte sich im Laufe der Zerit ein wenig, hatte aber dennoch eher einen März-Charakter.

 

 

Der Freitag

 

Am Freitag wurde das Southside-Schlammbad gegen Nachmittag eröffnet. Die Besucher konnten sich dieses Jahr zum ersten Mal auf vier Bühnen verteilen, denn es gab nun noch eine zweite Zeltbühne auf dem Gelände. Die so genannte „White Stage“, bot hauptsächlich ein elektronisches Programm an. Der Rest verteilte sich wie gewohnt auf die zwei Open Rain Hauptbühnen und das zweite Zelt.

Jack Johnson spielte am frühen Abend auf der Green Stage und präsentierte dort sein neues Album „To the Sea“. Passend zu seinen irgendwie nach Urlaub klingenden Songs brach auch während seines Auftritts die Sonne durch die Wolken und die Menge genoss Johnsons Musik zu der wirklich sehr passenden Atmosphäre.

Weiter ging es mit Archive auf der Bühne nebenan. Mit dem „Controlling Crowds“ Intro betraten die Musiker die Bühne, worauf sie ihre typisch melancholisch-elektronischen Trip Hop Songs zum Besten gaben. Erstaunlicherweise haben sich relativ wenige Zuschauer vor der Bühne verteilt (was eventuell daran lag, dass Faithless parallel auftraten). Möglicherweise war das auch der Grund weshalb der Funke nicht so ganz überspringen wollte. Musikalisch eindrucksvoll aber leider etwas lieblos verbrachten die Southsidler eine gute Stunde mit Archive, die sich zudem immer wieder gerne auf Deutsch bedankten. Elektronisch ging der Tag auf selbiger Bühne auch zu Ende. Massive Attack betraten umgeben von einer beeindruckenden Lightshow um 0.30h die Bühne. In jeglicher Hinsicht war dies wohl einer der Highlights des kompletten Festivals. In sich stimmig und auch musikalisch sehr überzeugend spielten sie hauptsächlich Songs aus dem aktuellen Album „Heligoland“. Dauerbrenner wie „Angel“ oder „Inertia Creeps “ fehlten natürlich auch nicht auf der Setlist. Die letzten Minuten des Konzerts fanden dann wieder im Regen statt. Der störte in dem Moment trotzdem nicht – in diesem Fall war die Musik stärker...

 

 

Der Samstag

 

...war wohl mit der regnerischste Tag des Wochenendes. Auch wenn man an diesem Tag keine sintflutartigen Vergleiche aufstellen konnte, so blieb der Regen auch konstant bis in den späten Nachmittag hinein Besucher des Festivals.

Die Elektro-Rocker Does it Offend You, Yeah? betraten die Bühne, als erwähnter Niederschlag noch in vollem Gange war. Trotzdem lies sich das Publikum nicht beirren und hüpfte ausgelassen in den Schlammpfützen vor der Bühne. Die Band verstand es sehr gut das Publikum in sonnige Stimmung zu versetzen. Eine wirklich gelungene Party am Samstagmittag! In der Zeltbühne gab sich anschließend Moneybrother die Ehre. Dieser Auftritt muss auch sehr lobend erwähnt werden. Sehr charismatische Musiker, die das Publikum mit ihren Instrumenten bekehrten. Das fast herzzerreißende „Jaaaaaa!“ von Seiten des Publikums auf Songschreiber Anders Wendins Frage „Are you glücklich too?“ beschrieb wohl sehr gut, welchen Einfluss Moneybrothers Musik auf durchnässte Menschen haben kann. Anschließend betraten The Hold Steady die Bühne, deren Sänger Craig Finn mit einer Anwesenheit auf einer LAN-Party wohl auch niemanden überrascht hätte. Am Samstagnachmittag fiel er aber viel mehr durch seine sympathische Art auf, die wohl das Spannendste am kompletten Auftritt waren, da die Classic Rock Songs eher wenig Abwechslung mit sich brachten. Eine halbe Stunde später stand der Auftritt der Briten um The Temper Trap an. Ihre sehr eingängigen aber auch melancholischen Melodien schienen vom Publikum sehr positiv aufgenommen worden zu sein. Generell war auch dieses Konzert eine der Southside Höhepunkte. Der daran anschließende Auftritt der Belgier K’s Choice um das Geschwisterfrontpaar Sarah und Gert Bettens reihte sich gut in die musikalische Stimmung ihrer Britischen Vorgängerkollegen ein. Nur ging es nun auffällig gitarrenlastiger zur Sache. Ein Auftritt, der offensichtlich nicht nur der Band besonders viel Spaß bereitete. Auch das Publikum tanzte ausgelassen zu den Songs mit sehr hohem Wiedererkennungswert. Am Abend ging es dann auf der Blue Stage weiter mit den Herren um The Prodigy. Auffällig viele Besucher versammelten sich zu dieser Zeit vor der Bühne. Die Stimmung während des Auftritts war wirklich unübertrefflich – sowohl von Seiten der Band als auch von Seiten des Publikums. Die experimentelle Zusammenstellung der Musik scheint nach wie von großer Beliebtheit zu sein.

 

 

Der Sonntag

 

 

Der letzte Tag des Festivals blieb tatsächlich komplett trocken und dennoch glich das Camping- und Festivalgelände einem Schlammfeld, in das man mindestens knöcheltief einsank. Kurze Fußwege wurden somit schon zu einer ernsthaften sportlichen Betätigung.

Die Dänen Kashmir betraten bereits um 15h die Red Stage. Lange gab es von dieser Band nichts mehr zu hören, doch jetzt melden sie sich nach fünf Jahren mit ihrem Album „Trespassers“ zurück. Ihre Indie-Rock Songs gehen sehr schnell ins Ohr und besonders der Titel „Rocket Brothers“ animierte die Festivalbesucher zum Mitsingen. Allgemein schien die Band sehr froh über das Erscheinen einer so hohen Anzahl von Besuchern zu sein und fotografierte hin und wieder in die Menge hinein. Sänger Kasper Eistrup verstand es zudem sehr gut auf subtile Weise mit dem Publikum zu flirten, was den netten Nebeneffekt hatte, dass über die Gesichter der Besucher ständig ein Lächeln huschte. Auf der Blauen Bühne präsentierten dann die White Lies ihr Können. Mit nur einem Album („To lose my Life“) in der Tasche zogen die vier Engländer bereits am Nachmittag eine beachtliche Zuschauermenge an. Das Publikum sang besonders den Titelsong des Albums lautstark mit und trotze den sehr frischen Temperaturen von ganzen 10° Grad Außentemperatur. Während des Konzerts wurde auch ein neuer Song gespielt, der sich auf dem bereits angekündigten zweiten Album befinden soll. Auf der Nachbarbühne war bereits Skin und die Herren von Skunk Anansie in vollem Gange. Auch dieses Konzert kann der Kategorie „großartig“ zugeordnet werden. Man hatte den Eindruck, dass die Musiker dieser Band eine endlose Energie besitzen und vor allem Sängerin Skin beeindruckte mit ihrer Stimmgewalt und akrobatischen Einlagen im und vor dem Publikum. Das Festival neigte sich bereits dem Ende zu, auf der Blauen Bühne spielten nun noch Element of Crime ein gut einstündiges Konzert. Während auf der anderen Seite des Geländes die Stone Temple Pilots über die Bühne hüpften, ging es bei Element of Crime eher gemächlich zu. Den mittlerweile übermüdeten und frierenden Festivalbesuchern schien ein sehr ruhiger Auftritt untermalt mit Sven Regners prosaischen Texten in diesem Moment besonders willkommen zu sein. Ein wirklich schöner Ausklang in die Dämmerung des letzten Festival Tages hinein. So könnte man die wetterlichen Umstände erneut fast vergessen.

 

Generell schien das Southside Publikum zu versuchen die Witterungsverhältnisse (die teilweise wirklich eine Zumutung waren!) gelassen zu nehmen. Die Stimmung auf dem Gelände war zumindest eher ausgelassen als genervt. Trotzdem sprachen die freien Parkplätze rund um das Gelände Bände. Viele Zuschauer reisten wohl schon frühzeitig ab. An dieser Stelle auch mal ein Hinweis an die Veranstalter: den Campingplatz an die Besucherzahl anpassen (irgendetwas kann ja nicht stimmen, wenn bereits zwei Stunden nach Eröffnung des Platzes kaum noch ein Fleckchen für sein Zelt zu finden ist) und vielleicht die Organisation an die Wetteraussichten anpassen (Regencapes bzw. –plastiktüten für 2€ zu verkaufen war an dieser Stelle außerdem auch etwas überzogen).

 

Sara Waegner

 





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