17.07.2011  Freiburg

Gesehen: Razorlight und The Blue Van beim ZMF 2011



Razorlight (Fotos: Juli Richter)

Zufriedene Gesichter zum Abschluss des diesjährigen ZMF in Freiburg. 41.000 Konzertbesucher und über 120.000 Gäste hat das ZMF dieses Jahr auf dem Mundenhof Gelände empfangen und die Veranstalter zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis. Ein Zugschussgeschäft wird das ZMF wohl immer bleiben aber die Akzeptanz beim Publikum ist stabil. Zum Abschluss des Festivals nun etwas für die etwas jüngeren Musikfans. Razorlight mit dem Ex Libertines Bassisten Johnny Borrell und The Blue Van aus Dänemark waren gekommen um echten Rock n` Roll zu zelebrieren. Dies gelang aber nur einer der beiden Bands an diesem Abend wirklich.

Vor einem anfangs leider nur spärlich besetzten Zelt sagte Festivalleiter Alex Heisler The Blue Van an und freute sich sichtlich auf einen Sound der aus seiner eigenen Jugendzeit stammt. Allen aktuellen Strömungen zum trotz spielen The Blue Van ausschließlich den Sound ihrer Vorbilder und das sind nun mal Hendrix, The Who, The Kinks oder die Beatles. Handgemacht und ohne Schnörkel knallen The Blue Van eine Rock Nummer nach der anderen raus und entfachen ein wahres Feuerwerk an Energie, Dynamik und Leidenschaft auf der Bühne. Trotz der klaren musikalischen Ausrichtung wäre es ungerecht The Blus Van als reine Retro-Band zu bezeichnen die Energie ist dermaßen frisch, unverbraucht und auf den Punkt gebracht das die Band erstaunlich aktuell klingt. Erinnerte das ersten Album The Art Of Rolling stark an Bands wie die Small Faces haben sich The Blue Van mit ihrer neusten Scheibe „Love Shot“ und aber auch mit dem bereits 2010 erschienen Album „Man Up“ sich deutlich weiter entwickelt. Der Garagenrock hat sich ausgeweitet und ist deutlich vielschichtiger geworden ohne am “Grundgas“ verloren zu haben. Belohnt wurden die Band für ihr Engagement durch die Verwendung ihrer Songs in verschiedenen TV Serien wie z.B. 90210 oder als Song für die Werbung der neuen Staffeln der Arztserie Scrubs.

Die gar nicht kühlen Dänen um den großartigen Sänger Steffen Westmark rockten sich mit ihrer direkten unaffektierten Art ziemlich schnell in die Herzen des Publikums. Diese Band hat einfach das Grundprinzip des Rock verstanden,lebt es und hat sichtlich Spaß bei dem was sie tun. Was bleibt einem auch anderes übrig wenn man aus einer 200 Seelen Gemeinde in Dänemark stammt. Gitarre umgeschnallt und los gerockt, so frisch und unverbraucht klingen sie auch. Einziger Wermutstropfen an diesem Abend die viel zu kurze Spieldauer. Nach bereits 30 Minuten verließen The Blue Van die Bühne um Razorlight platz zu machen. Gerne hätte man noch etwas weiter gerockt.

 

Gegen 21.15 betraten nun Razorlight die Bühne und wurden mit frenetischen Beifall des Publikums empfangen. Razorlight aus dem “Dunstkreis“ der englischen Kultband “The Libertines“ entstanden haben in Deutschland ihre Popularität und Bekanntheit durch Songs wie “America“, “Wire to Wire“ oder auch „Hold On“ der 2008ter Scheibe „Slipway Fires“. Durchaus melodiöse Stücke mit einer gewissen Komplexität aber natürlich noch in der Punk-Rock-Tradition von “The Clash“ stehend. Die wegen mehrere Abgänge auf entscheidenden Positionen neu besetzte Band konnte allerdings den Funken an diesem Abend nicht wirklich zünden. Nicht wirklich eingespielt und etwas aufgesetzt wirkt die Show. Einzig Schlagzeuger Sullivan-Kaplan bringt wirklichen Druck auf die Bühne und hält die Band zusammen. Zu undifferenziert die Gitarrenarbeit von Gus Robertson während der Bass von Freddie Stitz teilweise einfach verstimmt war. Ein wenig beziehungslos wirken die Musiker und Stimmlich kommt von Johnny Borrell nicht das rüber was man kennt. Ob dies der speziellen Soundsituation des Zeltes geschuldet ist lässt sich nicht wirklich ergründen aber all zu oft verwischt hier der Sound und wirkt etwas dumpf. Alles wirkt wie ein professioneller Arbeitsauftritt und es fehlt der unbedingte Wille der Band ihr Liedgut auch ans Publikum zu bringen. Es kommt einfach kein wirkliches Punk-Rock-Feeling auf. Meine Begleitung fühlt sich an “Crowded House“ erinnert, etwas aus den 80zigern an was ich mich gar nicht erinnern möchte. Getanzt wird nur spärlich der Sound schlägt einfach nicht bis zu den Beinen durch. Trotz allem spendet das Publikum reichlich Beifall und fordert zum Ende hin auch lautstark die Zugaben ein. Manchem Fan mag es anders gegangen sein als mir denn es herrschte durchaus Zufriedenheit im Publikum die Band bei einem ihrer seltenen Konzerte in Deutschland gesehen zu haben.

 

 














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