![]() 29,- Euro |
Das Uebel und Gefährlich liegt in einem Bunker aus dem zweiten Weltkrieg, welcher mittlerweile zu einer Art kulturellem Zentrum in Hamburg ausgebaut wurde. Düster und bedrohlich erhebt er sich so in der Nähe des Hamburger Schanzenviertels, während draußen Hamburger Schietwetter ist und der Fischmarkt unter Wasser steht.
Wir waren bis spät am Abend unentschlossen, was wir denn machen sollten, aber letztlich hat es uns doch hierhin verschlagen. Das Konzert ist nicht ganz ausverkauft, aber es ist gut besucht. Mittels eines Aufzugs, der einem jungen Menschen sinnvolle Beschäftigung bietet, da er ihn fahren, bedienen und reinigen darf, geht es in den vierten Stock. Dumpf dröhnt durch die Kabinentür Musik, die langsam lauter wird, während wir nach oben fahren. Dann öffnet sich die Tür und wir gehen in den Veranstaltungsraum, in dem schon die Vorband spielt. Die Vorband besteht aus einem Schlagzeuger und einem Gitarristen, die einen soliden Job erledigen. Nach kurzer Umbauzeit und dem Verteilen von Handtüchern gegen den Schweiß gehen Phillip Boa, der Voodooclub und Jaki „ich trommel ohne Bassdrum, aber dafür ist meine Tom tiefer gestimmt“ Liebezeit auf die Bühne. Der Gig beginnt und vom Anfang bis zum Ende hat man den Eindruck, dass die Band die Ruhe weg hat. Alle Lieder sind mit einer Layback-Haltung gespielt, die großartig und authentisch wirkt. Hier zahlt sich die Gelassenheit des Alters aus, denn die Band gibt es jetzt schon seit 25 Jahren. Herr Boa tanzt auf seine ihm eigene Art und fordert das Publikum immer wieder auf, zu applaudieren, was dieses auch dankbar tut, insbesondere wenn Pia das Mikrofon ergreift. Die ersten 11 Songs sind eher ruhigere Stücke, aber schon jetzt sind die ersten Reihen ausgesprochen gut gelaunt und man spürt, dass heute noch einiges geht. Als Jaki Liebezeit die Bühne verlässt, werden mehr Verzerrer eingesetzt und die Stücke schneller und intensiver. Nach und nach werden alle großen Hits gespielt: „This is Michael“, „Love on sale“, „I dedicate my soul to you“, „Albert is a headbanger“ und natürlich „Kill your idols“ ganz zum Schluss. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal zwischen anderen Menschen herumgesprungen bin, aber es hält mich im zweiten Teil des Gigs nichts mehr zurück. Neben mir sind die meisten auch schon über 30 und überhaupt ist es ein ruhiges, älteres und entspanntes Publikum, was einen wundervollen Abend genießen kann. Dazu trägt auch mit bei, dass der Sound nicht zu laut und einigermaßen gut ausgesteuert ist, auch wenn die Stimmen noch besser hervorstechen könnten. Kleinere Fehler beim Spielen fallen nicht ins Gewicht, denn vor allem hat man den Eindruck einer Punk- und Dark Wave- Band gegenüberzustehen, die die vergangenen Jahrzehnte überlebt hat und immer noch attraktiv ist, sympathisch und groß zugleich, deren Bandmitglieder Drogen nehmen und doch hell und klar sind. Hut ab vor dieser Leistung.
Gegen 22.30 Uhr ist das Konzert vorbei, was eine sehr freundliche Zeit für Menschen ist, die arbeiten gehen.
Gunter
www.phillipboa.de





