11.10.2009 BERLIN

Gesehen: Phillip Boa & The Voodooclub im Astra Kulturhaus

cooliris


Wer tanzt schießt keine tollen Bilder - ziemlich Voodooclub

Das Astra liegt auf dem RAW-Gelände unweit der Warschauer Brücke. Es wird von den gleichen Leuten betrieben, die auch das Lido betreiben und so bin ich anfangs sehr skeptisch, was das Haus angeht, denn im Lido habe ich bereits zwei schlimme Konzerterfahrungen gesammelt. Der Abend beginnt dann auch nicht verheißungsvoll, als ich gleich beim ersten Bierkauf beschissen werden soll. Und vom Astra (Bier), was hier ausgeschenkt wird und deren Firma wohl auch den Namen und etwas Geld/ Sachmittel verdankt, kriege ich übrigens nach wie vor Kopfschmerzen, keine Ahnung, warum dieses Bier so hoch gehandelt wird. Dass bleiben dann aber auch der einzigen negativen Eindrücke des Abends. Die Klangqualität im Astra ist sehr gut, was wohl an der Zusammenarbeit mit einer Tontechnikfirma liegt, ebenso wie an dem durchdachten Konzept der Halle, die über einen Parkettfußboden und an den Wänden über geriffelte Holztafeln verfügt, was weniger zurückschwappende Schallwellen produziert und die ein ordentliches Belüftungssystem und eine große Bühne besitzt. Vor dem nicht ausverkauften aber gut gefüllten Konzertsaal gibt es einen großen Raum mit bequemen Sesseln.

 

Da ich vor einer Woche in Hamburg beim Tourstart dabei war, kann ich beide Gigs ganz gut vergleichen. Die Karte ist fünf Euro billiger, dafür kostet der Toilettenmann extra. Das Publikum ist etwas weniger entspannt, dafür begeisterungsfähiger als in Hamburg. Insgesamt sieht man auch hier hauptsächlich die Gruppe der schwarz gekleideten, aber deutlich im Alltag angekommenen Mitdreißiger-Mitvierziger. Die Band scheint im Laufe der Tour ein ganzes Stück zusammengewachsen zu sein. Auf der Bühne merkt man ihr die Einheit an. Alles erscheint mir ein wenig schneller gespielt, aber dem fantastischen, nach Klick spielenden Drummern ist ohnehin kaum ein Fehler nachzuweisen. Ausdrücklich gelobt werden muss die Tontechnik, denn es ist jedes Instrument und jeder Ton gut zu hören. Die Band wirkt gelöst und entspannt. Mein Bruder meint, dass Phillip Boa immer mehr wie David Bowie aussieht, was aber nichts schlechtes ist. Außerdem fragen wir uns, ob Phillip und Pia wieder zusammen sind. Nach der ersten Hälfte des Gigs - beendet mit „Diamonds fall“, was ein gutes Lied ist - gibt die Band mit all ihren Klassikern Gas und die Menge beginnt auch hier zu toben. Neben mir springen bärtige Männer herum und leichtfüßige Mädchen recken ihre Hände, die dann auch abgeklatscht werden. Gegen Ende darf sich mein Bruder - immerhin sind die Karten sein Geburtstagsgeschenk - noch sein Lieblingslied „And then she kissed her“ anhören und ganz zum Schluss gibt es noch das unverwüstliche „Kill your ideals“.

 

Alles in allem bleibt das Fazit auf dem Konzert einer gelösten, durch alle Höhen und Tiefen des Popbusiness gegangenen Band gegenüber gestanden zu haben, die gegenüber Hamburg überall noch mal eine Schippe draufgelegt hat und die wohl wie keine andere deutsche Band im Moment den Klang und die Faszination der 80er Jahre wiederbeleben kann. Das soll nicht heißen, dass diese Band unmodern ist, im Gegenteil. Hier wird ein klares Konzept und jede Menge kreativer Ideen sichtbar, die man bei Bands heute in dieser Intensität im Moment nicht oder kaum erlebt, weil es nicht mehr Spex vs. Rolling Stone vs. Bravo heißt, sondern alle für sich und alle gegen alle und damit natürlich Konzepte viel schwerer zu entwickeln sind. Und natürlich erwartet man als Zuhörer viel zu viel und viel zu schnell, während Geduld wohl eine Tugend ist, war und bleibt, was uns so manches an Gutem übersehen lässt. So in etwa.

 

Gunter

 

www.phillipboa.de

Roadcrew                                                      

  
gunter

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