08.07.2012 Freiburg
Gesehen: Jupiter Jones und Young Rebel Set beim ZMF 2012 – unverschwitzt gut!
![]() Jupiter Jones |
Zwei musikalisch hochkarätige Bands versprach der Abend. Young Rebel Set, die britische Folk-Pop Band unter den Fittichen von Thees Uhlmann und seinem Grand Hotel Van Cleef, die sich momentan auf Deutschlandtour befindet, sowie ein Juwel der deutschsprachigen Popunterhaltung und mit ihrer Hitsingle „Still“ des letzten Jahres nicht mehr nur unter Insidern bekannt, Jupiter Jones.
Young Rebel Set eröffneten als Vorband das Konzert im vielleicht knapp zur Hälfte ausverkauften Zirkuszelt. Man fragte sich hierbei, warum das Konzert nicht besser im kleineren, dafür atmosphärischeren, Spiegelzelt veranstaltet wurde. Die Größe und das Ambiente wären perfekt für die Anzahl der Besucher, und auch den Bands wäre dies dienlich gewesen, ihren Sound nicht im leeren hinteren Bereich des Zeltes verschallen zu lassen. Nichts desto trotz ließen sich die Briten davon nicht aus der Ruhe bringen und steuerten ihren Auftritt sehr souverän und professionell auf der Bühne. Was man bei YouTube vorhören und sehen konnte wurde live klar umgesetzt: strukturierte Folk-Songs, poppig mit dem gewissen Etwas an „man-möchte-gerne-mehr-hören“ garniert mit gewohnt britischer cooler und stylischer Rockstarattitude. Die extremst hoch gehängten Instrumente brachten ein wenig Charme der 60er in das Bühnenbild und erinnerten an vergangene Bands und Zeiten. Dem Publikum schien dies alles gut zu gefallen, auch wenn die Stimmung des Potpourris aus SWR3-Hörern, deren „Kindern“ sowie vereinzelten Grüppchen der Studierendengemeinschaft noch nicht richtig aufkommen wollte. Nach fast einer Stunde schlossen die Rebellen in die Umbaupause – Auftritt Jupiter Jones.
Jupiter Jones überzeugten von Anfang an als Sänger Nicholas Müller mit seiner markant bekannten Stimme das Zelt und die Ohren der Zuhörer erfüllte. Leider fühlte sich der Sound der Band das gesamte Konzert hinweg zu glatt an, so dass der Jupiter Jones Mix aus Gesang, Gitarre, Drums und Keyboard nicht so richtig rüberkommen mochte. Ob dies an der Technik, dem Soundmann am Mischpult oder der Akustik des Zeltes lag, wer weiß, dem Publikum war auch dies egal. Es wurde mitgewippt, vereinzelt getanzt, automatisch mitgeklatscht und mitgesungen. Die Stimmung unter den Besuchern war gut, auch wenn eine schwitzende Ausgelassenheit vergeblich zu suchen war. Songs wie "Nordpol, Südpol", "Immer Für Immer" und "Still" erfüllten die Gesichter mit glücklichen Zügen. Wer ersteren in der zweistimmigen Version kennt, dem fällt auf, dass hier Jana Pallaske’s Stimme als Gegenstück zu der Müllers’ fehlte und den Song leider ein wenig unfertig hinterließ. An einem ausgeglichenen Mix aus Musik und intimen Gesprächen mit dem Publikum fehlte es zudem nicht. Sänger Nicholas Müller erzählte in kleinen Pausen von seinem Dengue-Fieber, welches grad am abklingen sei, er aber gerne bereit wäre dies noch mit dem weiblichen Teil des Publikums in Kussform zu teilen. Auch die Anekdote über Ohrenschmalzüberproduktion und die daraus resultierenden Defekte seines In-Ear-Monitor-Systems verbreitete Schmunzeln im Zelt. Ob der Vergleich des defekten Monitor-Systems mit dem eines „Hitlerschen Volksempfängers“ politisch korrekt und passend war sei dahingestellt, aber es war ja auch kein politischer Debattierclub der sich da auf der Bühne abspielte. Der Übergang zum nächsten Lied war wie angekündigt unvermeidlich und auf ironische Weise gescheitert, was auch gerne noch mal hervorgehoben wurde.
Fazit: Ein schöner, unspektakulärer Abend mit guter Musik von zwei herausragenden Bands in entspannter Publikumsatmosphäre in einem leider viel zu großen Zelt. Geschwitzt haben an diesem Abend andere.
Autor: Daniel Bär















