28.07.2011  Heidelberg

Gesehen: Daniel Lanois Black Dub, 27.7.2011 im Karlstorbahnhof, Heidelberg



Daniel Lanois Black Dub

Alles dunkel, kein laut durchdringt die erwartungsvolle Stille. Die ersten Gitarrenklänge durchschwirren den Raum, keine brachialen Rocksounds, eher ein filligranes Zupfen und man fragt sich „ist das schon die herbeigesehnte Hauptband“? Schemenhaft erkennt man eine einzelne Person auf der Bühne. Nach dem ersten Song löst sich das Rätsel auf. Es ist der Support, ein junger Amerikaner namens „Rocco DeLuca“ der nur von einer kleinen Funzel angestrahlt seine halbstündige Darbietung hinter sich bringt. Da er weder angekündigt wurde und in keinster Weise mit dem Publikum kommunizierte, konnte der Name nur auf verschlungenen Wegen recherchiert werden. Seine Musikalische Darbietung, sowie die Optik vereinen in gewisser Weise stark die Klischees des gebrochenen Songwriters a la Jeff Buckley in sich, besonders auch seine oft ins Falsett kippende Stimme verfestigt den Eindruck. Insgesamt aber eine stimmige Darbietung, die aber länger als die angebotene halbe Stunde selbst für Berufsmelancholiker nur schwer zu verarbeiten wäre.

Nach der obligatorischen Umbaupause, kommt reichlich unprätentiös Daniel Lanois mit seinem 2010 gegründeten Quartett „Black Dub“ auf die Bühne. Die Band startete auch gleich durch mit der wahrscheinlich eingängigsten Nummer „Nomad knows“. Der schnell anschwellende dreistimmig vorgetragene Refrain trifft ins Ziel und verdeutlicht von Anfang an, mit wem man es hier tun hat. Der oft gehypte Begriff „Supergroup“ würde hier Sinn machen: Viele Worte über Daniel Lanois zu verlieren, macht an dieser Stelle keinen Sinn. Einer der größten Produzenten der Gegenwart, der in der Vergangenheit die Werke von Künstlern wie U2, Bob Dylan, Peter Gabriel oder Neil Young veredelte und des öfteren mit Brian Eno und Wim Wenders kollaborierte trat wortwörtlich zurück in den Schatten, sobald Trixie Whitley loslegte. Die Tochter des viel zu früh verstorbenen Chris Whitley hat eine Tiefe in der Stimme und eine solche Expression in der Darbietung, dass es einem zeitweise den Atem raubte. Auch „Ersatz“-Bassist Jim Wilson, der scheinbar für Daryl Johnson die Tour spielt, konnte mit solidem Bassfundament aber vor allem soliden Backgroundvocals glänzen, die sich sehr gut in den dreistimmigen Gesang von Lanois und Trixie Whitley einfügte.

Wer Musik gerne in Schubladen steckt, dem wird es hier nicht leicht gemacht. Das Gitarrenspiel in seiner Rohheit erinnert an Neil Young, der dichte Sound garniert mit viel Hall und Delay ist sicher ein Markenzeichen von Daniel Lanois. Es scheint aber, als hätte er von allen seinen Schützlingen, dessen Sound er in den letzten Jahrzehnten geformt hat, ein wenig mit auf die eigene musikalische Reise genommen. Schwarz ist die Musik, zeitweise düster, exemplarisch dafür dürfte der Song „Fire“ sein, dessen spröder Charme mit den Vocals von Lanois zeitweise eben auch wieder an Peter Gabriel erinnert. In „Silverado“, wieder teilweise dreistimmig vorgetragen, kommt zeitweise auch der Gospel durch, ein Gospel allerdings mit angedeutendem Reggae-Beat. An dieser Stelle sei das durchweg virtuose Schlagzeugspiele von Brian Blade erwähnt, wiederum eine Facette im Mosaik das diese Band zu dem macht was sie ist.

Die teilweise unfertig wirkenden Songs und Instrumentals wirken oft wie Filmmusik aus einem Western und der Blues als roter Faden ist auch überall präsent, ohne dass man zu sehr direkt in eines dieser Stilrichtungen abtaucht. Es bleibt immer eigen und unbestimmt ohne diese Roots zu verleugnen.

Man bewegt sich offenbar ungern auf allzu ausgetretenen Pfaden, was die Musik von Black Dub aber auch besonders faszinierend und packend macht. Sicherlich war hier nie beabsichtigt, ein allzu großes Mainstream-Publikum anzusprechen, aber man spürt deutlich, dass hier mich großer Überzeugung und Leidenschaft musiziert wird.

 

Links:

www.roccodeluca.com

www.blackdub.net

www.trixiewhitley.com

www.daniellanois.com

 

 











"Black Dub" in the studio - "Nomad Knows" from Daniel Lanois on Vimeo.









Mehr zum Thema
28.07.2011 Heidelberg

Gesehen: Daniel Lanois Black Dub, 27.7.2011 im Karlstorbahnhof, Heidelberg

Alles dunkel, kein laut durchdringt die erwartungsvolle Stille. Die ersten... mehr lesen