27.04.2009  London

Nachgefragt: THE BISHOPS

Trophäenjäger auf Dauertour


„Die Studioarbeit ist interessant, aber wir sind eher eine Live Band“. Ein Glück, dass die englischen BISHOPS in dieser Beziehung reichlich ausgelastet sind: über 150 Konterte allein im letzten Jahr und eine Supporttour für Stadionpopper James Blunt gaben den drei Jungs genug Gelegenheit, ihrem Faible für das wilde Tourleben nachzukommen.

 

Geradezu verwunderlich ist es da, dass die Songs ihres im Februar in Deutschland erschienenen Zweitwerks „For now“ derart ausgeglichen und reif daherkommen. „Es ging darum, unsere Vielseitigkeit zu beweisen und unsere musikalischen Fähigkeiten voll auszureizen. Wir hatten dieses Mal viel mehr Einfluss auf die Produktion des Albums und das ermutigte uns, neue Wege zu gehen und neue Instrumente ein zu setzten.“ So hört man in den vierzehn Songs auf „For now“ neben Gitarre, Bass, Schlagzeug und dem harmonieseligen, an den Everly Brothers geschulten Chorgesang der Zwillingsbrüder Mike (Gitarre, Gesang) und Pete (Bass, Gesang) Bishop auch so „exotische“ Instrumente wie Klavier, Mundharmonika oder Trompeten. Zusammen mit ihrem „mad, scotish drummer“ Chris McConville ließen die BISHOPS auf „For now“ so ihrer Experimentierlust freien Lauf und machten eine gehörigen Satz vom strikt von den Beatles und den Kinks inspirierten Debüt hin zu einem breiteren und reiferen Songwriting.

 

Kennen gelernt haben sich das Zwillingspaar und ihr schottischer Schlagmann per Zufall in der gemeinsamen Stammkneipe in London. „Wir haben Chris quasi am Tresen aufgepickt“, so Pete, „er hatte vorher in der Heavy Metal Band seines Bruders Schlagzeug gespielt und die Chemie hat sofort gestimmt.“ Pete und Mike dagegen haben erst spät und kurz vor der Gründung begonnen, sich ernsthaft dem Musik machen zuzuwenden. „Vorher haben wir höchstens zusammen Kinderlieder gesungen oder unter der Dusche vor uns hin geträllert“, so die beiden. 2002 gründeten die drei dann die BISHOPS. Am Anfang eher noch dem Punk und dem Indie verpflichtet, nahmen sie sich – für englische Verhältnisse fast unverschämte – fünf Jahre Zeit, um sich als Band zu finden und 2007 ihr selbst betiteltes Debüt zu veröffentlichen. Mike dazu: „ Am Anfang waren wir eine Punkband, entwickelten uns über die Jahre aber immer mehr in Richtung Beat und Garagerock. Unsere Einflüsse kamen von je her aus dieser Richtung, waren also Bands wie die Beatles, die Kinks oder Wild Billy Childish.“ Mit letzterem durften sie sogar zweimal die Bühne teilen und hegen einen tiefen Respekt vor dem großen Mann des englischen Garagepunks der Gegenwart. „Wir wollten ihn viele Dinge fragen, brachten es aber nicht übers Herz, ihn anzusprechen. Wir hatten einfach die Hosen voll“, erzählen die beiden Zwillinge verlegen. Ihr Debüt war demzufolge eine wilde und energiegeladene Mischung aus ungestümen 60s Beat und Garagerock, der vor ungebremsten Enthusiasmus nur so strotzte. Aufgenommen wurde es im legendärem Londoner Toe Rag Studio, die erste Adresse für rohen Analogsound und betreut vom nicht minder bekannten Produzenten Liam Watson. Schon die White Stripes wussten die Vorzüge der rein analogen Ausrüstung zu würdigen und nahmen dort unter anderem ihr Durchbruchswerk „White blood cells“ auf. Und genau da lag auch einer der Gründe für den Wandel auf ihrem jüngsten Werk.

 

„Für ‚For now‛ wollten wir in ein rein digitales Studio gehen und entschieden uns für das Bark Studio in London. Obwohl wir mit unserem ersten Album absolut zufrieden sind, haben wir uns bewusst gegen den typischen Retrosound entschieden, um vielseitiger und freier aufnehmen zu können. Ich denke von daher, dass nicht nur wir die Veränderungen in unserer Musik möglich machten, sondern im gleichen Maße auch die neuen Möglichkeiten, die ein digitales Studio bieten. Es war sozusagen eine Art Wechselwirkung“, so die Band. Als Produzent diente diesmal Indie Veteran Brian O´Shaughessey, der unter anderem schon für Bands wie My bloody Valentine, Primal scream und die Indelicates die Regler verschob und der den neuen Songs einen modernen Mantel verlieh.

 

Inhaltlich handeln die vierzehn Songs auf „For now“ in erster Linie über die Erfahrungen und Erlebnisse von den zahlreichen Touren der BISHOPS. Der Großteil des Materials wurde on the road geschrieben und daheim zu fertigen Songs ausformuliert. Ob zu den Themen auch etwaige Konflikte zwischen den Bandmitgliedern, speziell zwischen den beiden Brüdern - wochenlang gemeinsam auf Tour zu sein und im Bus aufeinander zu sitzen kann schließlich an den Nerven zehren – beantwortet Mike: „Früher war das so, aber da wir beide nicht mehr zusammen wohnen, hat sich das mittlerweile gelegt. Wir können die Bedürfnisse des anderen jetzt besser einschätzen und wissen, wann der andere seine Ruhe braucht. Auf der aktuellen Tour haben wir nur einmal gestritten und das war nichts Ernstes. Außerdem sind wir beide mittlerweile liiert und das macht einen ruhiger.“

 

Doch wie ist es mit den neuen Songs auf Tour sein? Wie waren die ersten Reaktionen von den Fans? „Durchweg gut“, so Pete, „es macht Spaß, die Setlist mit alten und neuen Songs zu mischen. Nach wie vor spielen wir die alten, wie die neuen Sachen sehr gerne“. Schön zu hören, steht den BISHOPS doch bereits die nächste Ochsentour bevor. Bis Juli werden sie Konzerte in Deutschland, England, Österreich und in Spanien spielen. In Spanien sogar als Support für Oasis. Die Kritiken zu „For now“ waren dagegen sehr gemischt, was den BISHOPS nicht viel auszumachen scheint. „Die trendy Lifestylemagazine haben das Album nicht so gemocht, aber ansonsten kam es gut an. Wir finden die gemischte Reaktion der Presse eher eine gute Sache, nur positive Kritik wäre auf Dauer etwas zu langweilig“. Außerdem geht es der Band offensichtlich eher darum, dass ihre Fans mit dem Album glücklich sind. Und über die wissen die BISHOPS eine Menge lustiger Anekdoten zu berichten. Wenn man so oft auf Tour ist, wie die drei Engländer, erlebt man schließlich eine ganze Menge zotiger Dinge und jede Stadt hat da ihre Besonderheiten. „Wir haben ein paar Mal in München gespielt und bei jedem der Konzerte war eine kleine Gruppe Ausgeflippter da, die während des Konzerts total die Sau raus gelassen haben. Die machten Stagediving und solche Sache und wir dachten nur „Wow“. Als ob das ihr erstes Konzert seit Jahren für die wäre“. Schlagzeuger Chris dazu: „ Die meisten unserer Songs zähle ich live ein und bei einem Gig zählte das Publikum ständig lauthals und gegen den Takt mit. Ich fing als bei eins an und das Publikum schrie drei, ich zwei und das Publikum eins. War schwer, da den Takt zu halten“. Ich persönlich erinnere mich an den letzten Auftritt im Heidelberger Club „Zum Teufel“, als ein Mädchen ihren BH auf die Bühne schmiss, der an Mikes Gitarre hängen blieb. Darauf angesprochen lachten die drei herzlich und Mike erinnerte sich: „ Ich bekam den BH nicht mehr von der Gitarre weg und lies ihn dann einfach an der da hängen, sehr zum Vergnügen des Publikums“. Wo der BH jetzt ist? „ In unserer Vitrine, bei den anderen natürlich“.

 

Angesprochen auf die Tour mit James Blunt ist die Meinung einhellig. „Es war eine aufregende Erfahrung, mit ihm durch die Stadion zu ziehen und vor Tausenden von Menschen zu spielen. Als unsere Manager anrief und uns von dem Angebot erzählte, dachten wir zuerst, er würde uns veralbern. Das tut er öfters, doch es war wirklich so. Sicher haben wir uns Gedanken gemacht, ob wir bei „seinem“ Publikum ankommen würden, aber am Ende haben die Leute uns wirklich gemocht und ständig nachgefragt, wer denn diese „verrückte“ Vorband war. Es war ein großer Spaß und eine Erfahrung wert, wir würden dabei aber nie auf Konzerte in kleinen Clubs verzichten wollen. Dort ist es einfach viel persönlicher, man ist näher an den Leuten dran und bekommt die Reaktionen des Publikums viel unmittelbarer mit“. Von fliegenden BHs als Trophäen ganz zu schweigen.

 

 

Christian Hautz