11.08.2008 Heidelberg
Nachgefragt: James und Chris von den WINTERKIDS
Bloß kein Death metal!
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Im Juni diesen Jahres noch zeigten die WINTERKIDS bei ihrem Konzert im Heidelberger „Zum Teufel“ einem begeisterten Publikum, wie Britpop im Jahre 2008 zu klingen hat. Knappe acht Wochen später kehrten die Fünf in den Kultclub zurück, um das Konzert der Ex-Heidelberger VON LUFT UND LIEBE mit einem anschließenden DJ-Set zu versüßen. Und was passt besser, als nach dem emotionalen und herzerwärmenden Wohlklang des luftigen und lieblichen Deutschpops einer Horde ausgeflippter, englischer Teens beim kollektiven Platten auflegen zuzuschauen. Dass dabei kein Indiehit ungespielt, kein Zuhörer unbeweglich und kein Bier voll blieb, versteht sich von selbst. Ob ein fast schon klassischer Gassenhauer der Strokes, oder krudes Elektrogeschwurbel mit faszinierenden Titeln wie „Spankrock“, die Hauptsache war, dass kein Guns´n
Roses auf die Plattenteller kommt.
Vor ihrem bravourösen Auftritt unterhielt sich unser Mitarbeiter Christian Hautz im schönen Innenhof der psychologischen Fakultät in Heidelberg, mit Sänger James und Schlagzeuger Chris über die Do´s und Don´t´s des DJ-ing, und die etwas andere Geschichte der WINTERKIDS.
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REGIOMUSIK: Was macht ein gutes DJ Set aus?
James: Ein gutes DJ Set ist, wenn das Publikum tanzt, Spaß hat und betrunken ist.
Chris: Solange das Publikum Spaß hat und tanzt ist alles in Ordnung. Die größte Herausforderung ist die Leute auf der Tanzfläche zu halten. Bei uns läuft es so ab, dass wir das Set langsam aufbauen und zur Mitte hin steigern. Da sollen dann alle tanzen.
James: An manchen Abenden trennen wir die Genres voneinander. Wir spielen eine Zeitlang beispielsweise 80er und 90er, und dann wieder modernere Musik.
REGIOMUSIK: Habt ihr oft DJ-Gigs? Was macht es für Musiker in einer erfolgreichen Band interessant, unter dem Namen der Band ein DJ-Set zu spielen?
James: Das ist einfach was anderes. Unsere Fans sehen so hoffentlich, dass wir noch mehr drauf haben. Wir sind nicht nur Musiker, sondern können auch auflegen. (lacht) Wir haben bisher ein paar DJ-Gigs gehabt. In Tokio haben wir bei einer riesen Party der Zeitschrift „Dazed and Confused“ aufgelegt. In Texas haben wir mit Hama Superstar aufgelegt, den du wahrscheinlich nicht kennst. Er sieht ein bisschen aus wie der Pornodarsteller Ron Jeremy.
Chris: Den kennst du wohl eher. Das DJen macht uns einfach Spaß. Wir touren viel, spielen viele Konzerte und da ist es einfach gut, unsere Lieblingsmusik aufzulegen, und das auch vor anderen Leuten. Wir können einfach loslegen, auch wenn wir vielleicht keine brillanten DJs sind. Jeder kann seine Lieblingsstücke spielen und sich amüsieren.
REGIOMUSIK: Würdet ihr das Erstellen einer guten Playlist mit dem Schreiben eines guten Songs, oder dem Entstehen eines Albums vergleichen?
James: Vergleichbar ist es für uns nur in dem Punkt, dass wir dabei spontan agieren. Wir planen nichts im Voraus. Wir versuchen zu spüren, was die Leute wollen und dann spielen wir, was sich für uns richtig anfühlt. Wenn wir einen Song schreiben, funktioniert das sehr ähnlich. Wir können hören, was sich richtig anfühlt.
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REGIOMUSIK: Was ist die beste Musik, um die Leute beim Auflegen zum Tanzen zu bringen? Von welcher Musik sollte man die Finger lassen?
Chris: Das kommt natürlich darauf an, wo wir spielen. In einem Indie-Club spielen wir die hippe Indie-Musik, weil die Leute das einfach hören möchten. Ich persönlich spiele am liebsten Elektro, und Dance-Elektro Beats mag ich sehr. Wenn wir in einem Rock-Club auflegen, passen wir uns dem an und legen die gängigen Rock-Songs auf.
James: Wir richten uns auch nach dem Publikum und schauen, was es hören möchte.
REGIOMUSIK: Neben eurer „DJ-Karriere“ spielt ihr auch noch in einer Band. Wie sind die WINTERKIDS entstanden?
James: Hannah ist meine Schwester, von daher kennen wir uns schon sehr lange. Wir haben die Entscheidung getroffen, eine Band zu gründen. Ich habe Chris, Tom Downer und Bradley Osborne in der Schule in unsere Heimatstadt Guidlford kennen gelernt. Wir haben angefangen zusammen Musik zu machen, und letzten Endes hat das funktioniert. Das war die Geburt der WINTERKIDS.
Chris: Wir haben angefangen Songs zu schreiben und Gigs zu spielen, um unseren Sound zu finden. Inzwischen haben wir unseren Sound gefunden und nehmen demnächst unser neues Album auf.
REGIOMUSIK: Welche Bands beeinflussen eure Musik? Gibt es eine Band, die alle von euch mögen?
James: In unserer Band hat jeder einen eklektischen Musikgeschmack. Ich mag The Cure, Hannah hingegen mag klassische Musik.
Chris: Ich mag Jazz und Blues, damit bin ich aufgewachsen. Wir alle hören unterschiedliche Musik, aber wir alle wollen gute Songs schreiben.
REGIOMUSIK: Eure Musik klingt sonnig, unkompliziert, melodiös und harmonisch. Ist es schwer für euch einen guten Pop-Song zu schreiben?
James: Wir haben bisher 50 Songs für das neue Album geschrieben, und müssen nun zehn dafür auswählen. Das Schreiben fällt uns leicht. Wir schreiben und schreiben und schreiben. Der schwerere Part ist, die Songs für das Album auszuwählen. Wir versuchen jede Woche einen oder zwei Songs zu schreiben und proben vier bis fünf Mal die Woche. Wir schreiben immer, und ich denke, es ich wichtig für Musiker immer zu schreiben.
REGIOMUSIK: Wie schreibt ihr eure Songs? Macht das einer von euch, oder schreibt ihr als Band gemeinsam die Songs?
James: Ja, das macht die ganze Band. Einer von uns hat eine Idee, und das ist dann unser Ausgangspunkt für einen neuen Song.
REGIOMUSIK: Ihr habt bereits ein Album veröffentlicht, das aber noch nicht in Deutschland erschienen ist?
James: Unser Album ist bisher nur in Japan erscheinen. Wir haben eine EP in Deutschland veröffentlicht. Gegen Ende dieses Jahr kommt eine EP in England, und Anfang nächstes Jahr wird unser neues Album weltweit erscheinen. Unser Japan-Debüt ist entstanden als wir jünger waren, noch gelernt haben und uns in der Findungsphase befanden. Das neue Album hat unseren perfekten Sound, auf den wir hingearbeitet haben.
REGIOMUSIK: Mit LITTLE HOUSE RECORDS habt ihr euer eigenes Label gegründet. Wird euer Album darauf erscheinen?
James: In England wird es auf LITTLE HOUSE RECORDS erscheinen. Ansonsten werden wir versuchen, kleine, schmucke Indie-Labels zu finden, die an unsere Musik glauben, und die in den andern Ländern unser Album veröffentlichen sollen.
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REGIOMUSIK: Warum habt ihr euer eigenes Label gegründet?
James: In England haben wir bisher nur Singles veröffentlicht. Wir haben unser eigenes Label mit der Idee gegründet, dass wir unsere Veröffentlichungen selbst finanzieren können. Dienstags Abend haben wir in unserer Heimatstadt einen Indie-Britpop Abend veranstaltet. Wir haben aufgelegt, haben aber auch Gast-DJs eingeladen. Jede Woche sind 500 Leute gekommen. So hatten wir die Möglichkeit das Geld für das Aufnehmen unserer Singles zu verdienen. Dann mussten wir Geld für das Marketing einnehmen, was ziemlich teuer war. Wir haben unser Label durch unseren Club-Abend finanzieren können. Schließlich hatten wir genug Geld, um das erste Album aufzunehmen, das in Japan veröffentlicht wurde. Wir haben 1.000 von unseren Singles via unserer my space-Seite in England verkauft, und damit 10.000 Pfund verdient. Damit haben wir unseren Flug zu South by Southwest bezahlen können, wo wir das japanische Label gefunden haben, das unser Album veröffentlicht hat, und auch das deutsche Label, auf dem unsere EP erschienen ist.
REGIOMUSIK: Das ist eine interessante Geschichte. Ein Schritt folgte also dem nächsten.
Chris: Das Gute daran ist, dass wir selbst die Kontrolle haben. Wir können unser eigenes Artwork entwerfen und einfach machen, was wir wollen. Wir entscheiden, was passiert, wenn unsere Musik erst einmal veröffentlicht ist. Das mögen wir. Wir lieben es als Band, die Sachen selbst in die Hand zu nehmen.
REGIOMUSIK: Hattet ihr Angebote von größeren Labels?
James: Ja, einige Labels haben uns geschrieben, aber wir wollen momentan nicht zu einem großen Label wechseln. Vielleicht in der Zukunft, wenn wir eine große Fanbase haben, was hoffentlich der Fall sein wird. Momentan haben wir noch die Zeit uns selbst um alles zu kümmern. Wenn das einmal nicht mehr so ist, sehen wir weiter.
REGIOMUSIK: In England gibt es viele junge Indie-Bands. Besteht unter den Bands ein Konkurrenzkampf? Oder seht ihr die WINTERKIDS als Teil einer neuen Szene?
James: Ich persönlich achte nicht darauf, was andere Bands gerade so machen. Wir haben unseren eigenen Sound entwickelt. Der neue Sound unterscheidet sich von dem auf unserem ersten Album, und von dem auf unserer EP. Es gibt einen neuen WINTERKIDS-Sound. Wie gesagt, ich achte einfach nicht so sehr auf das, was andere Bands um uns herum tun.
Chris: Ja, in England gibt es eine ziemlich große Szene, aber wir schließen uns der nicht an. Es gibt nicht wirklich einen Konkurrenzkampf. Es gibt einfach viele Bands, viele junge Bands vor allem, die sich den Durchbruch wünschen. Man kämpft nicht darum, jeder versucht es für sich zu schaffen.
REGIOMUSIK: Könnt ihr mir zum Abschluss noch Etwas über eure Playlist heute Abend verraten?
James: Wir werden uns jetzt erst einmal ein paar Drinks genehmigen und sehen, was passiert. Wir haben uns bisher noch keine Gedanken darüber gemacht, was wir spielen werden, oder?
Chris: Wir haben immer unsere CDs mit hunderten von Songs dabei. Es kommt darauf an, was die Leute wollen. In Japan zum Beispiel haben wir den ganzen Indie-Elektro Kram gespielt, und es war kaum jemand auf der Tanzfläche. Dann haben wir The Cure und ein paar Klassiker gespielt, und die Leute haben daraufhin die ganze Nacht getanzt.
James: Die Tanzfläche war zuerst nicht so schlecht besucht. Sie haben schon auch getanzt, aber als wir The Clash gespielt haben, sind die Japaner völlig ausgeflippt. Zuerst haben sie einfach nur getanzt, als dann die ganzen 80er Sachen kamen, haben sie angefangen von unserem DJ-Deck zu springen.
Chris: Wir schauen einfach, was die Leute heute Abend wollen und entscheiden dann. Wir mischen aber immer ein paar Klassiker in unser Set, die dabei sein müssen.
James: Aber erwarte jetzt nicht Guns’n Roses, oder sowas.
REGIOMUSIK: Kein Death Metal?
James: Nein.
REGIOMUSIK: Ich hoffe, die Heidelberger sind heute Abend genauso begeisterungsfähig wie die Japaner. Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt.
Interview: Christian Hautz & Anika Meier
Fotos: Anika Meier




