19.10.2009  Baden Baden

Feature: White Lies Schattenseiten des Ruhms



White Lies

Sie sind jung, talentiert, melancholisch und düster – ein Image, das sich mit dem gloomigen Sound und den oftmals Tod assoziierenden Lyrics einwandfrei verkaufte, jedoch zwischenzeitlich zum unfreiwilligen Selbstläufer mutierte. Ihr Debütalbum ‚To Loose My Life …‘ war der erste neue Stern am britischen Pophimmel des Jahres 2009, fand man es doch aus dem Nichts kommend plötzlich auf Platz 1 der dortigen Albumcharts. Da war er nun − der lang ersehnte Erfolg, der sich mit der Vorgängerband ‚Fear Of Flying‘ einfach nicht einstellen wollte. White Lies genießen den Ruhm, den Trubel um ihre Musik. Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt …

 

„Teil einer erfolgreichen Band zu sein, ist wirklich keine einfache Sache, vor allem wenn man sich an den Zeitplan hält, den wir die letzten eineinhalb Jahre gehabt haben. Das Touren verlangt einem viel ab – vor allem Einbußen im Privatleben“, erklärt Bassist und Songschreiber Charles Cave. Trotz einer Vielzahl positiver Kritiken sah man sich aber auch mit negativem Feedback konfrontiert. Sänger Harry McVeigh eröffnet: „Viele Musikjournalisten sind dazu bereit, etwas zu zerreißen, ob sie es nun mögen oder nicht. Einige Journalisten denken sicherlich, dass ihre Meinung sehr viel mehr Wert ist, wenn sie etwas kritisieren, das bereits erfolgreich ist. Für sie bedeutet gegen den Strom zu schwimmen, sich also gegen das öffentliche Empfinden zu stellen, intelligent und ‚anders‘ rüberzukommen.“ Entsprechend lässt dies für McVeigh nur die Schlussfolgerung nahelegen, dass schlechte Kritiken eigentlich eine Bestätigung dafür sind, dass die Musik gut ist. Cave fügt hinzu: „Das Empfinden einiger Musikjournalisten für Musik ist vergleichbar mit dem Verhältnis zu Klamotten. Man möchte ja nicht das Gleiche tragen wie jeder andere.

 

 



WL

Das bringt wiederum mit sich, dass wann immer ein neuer Trend auftaucht, sei es nun, dass eine Menschenmasse die Musik einer Band oder eben ein ausgewähltes Kleidungsstück konsumiert, es immer einige Leute geben wird, die sich so sehr davon distanzieren, dass sie abwertend reagieren. Wir machen uns dem auch schuldig – mit Musik, Klamotten und anderen Dingen.“ Gleichzeitig sind White Lies froh darüber, solch starke Reaktionen hervorzurufen, auch wenn es manchmal – vom jeweiligen Gemütszustand abhängend – fürchterlich sein kann, einen Artikel zu lesen, der das eigene Lebenswerk in Frage stellt. Schlechte Kritiken haben jedoch etwas für sich, wie Cave beteuert: „Der positive Nebeneffekt ist, dass wir mit unseren Füßen auf dem Boden bleiben, uns neuen Herausforderungen stellen und uns zusammen mit unseren Songs weiterentwickeln wollen.“ Doch eines drängt sich sowohl in den guten als auch den kritischeren Reviews oftmals in den Vordergrund – White Lies‘ düsteres Image. Gerade zu Zeiten der Albumveröffentlichung versuchten die Medien, sie in eine Schublade zu drängen − die Schublade Joy Division, mit der sich niemand innerhalb der Band identifizierte. „Die Medien stempelten uns als deprimierte, gar suizidgefährdete Personen ab und es wäre für sie ideal gewesen, wenn jemand von uns das gleiche Ende erfahren hätte wie Ian Curtis“, reflektiert McVeigh über die anfängliche Berichterstattung. Den Jungs war es jedoch möglich, ihre Sicht der Dinge unzählige Male zu präsentieren, auch wenn immer noch das Gefühl dominiert, dass die Medien nicht von ihrem vorgefertigten  Image ablassen wollen. So handelte zwar das ganze Coverfeature im NME davon, dass sich die Musiker nachts nicht auf den Friedhöfen dieser Welt rumtrieben, das riesige, ins Auge stechende Pull-Out-Quote von McVeigh sagte aber: „Die Leute warten nur darauf, dass sich einer von uns erhängt.“

 

Nach der langen Zeit des Tourens und des damit einhergehenden Sammelns unterschiedlichster musikalischer Eindrücke weltweit, wird sich die nächste Platte bezüglich  Themenauswahl und Sound vom Debüt unterscheiden. Damit lässt sich mit Sicherheit auch das anhaftende Image korrigieren.

Ines Punessen

 



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