22.09.2009 Portland
Feature: The Thermals
![]() The Thermals |
Ihr energetischer Sound fesselt, reißt mit, versprüht Optimismus. Der Gegenpol: Ihre Texte, meist kritisch und mit Bedacht gewählt. The Thermals‘ vierter Long-Player ‚Now We Can See‘ öffnet die Tür in die Welt der Toten, reflektiert über das vergangene Leben und zeigt auf, ob man mit sich selbst und der Umwelt im Reinen war.
„Generell denken wir sehr viel über den Tod nach. Die letzte Platte ‚The Body. The Blood. The Machine‘ endete in einer Apokalypse, wobei wir uns vorstellten, dass ein Großteil der Bevölkerung dabei gestorben ist. Entsprechend war es für uns ganz natürlich, das Songwriting von dieser Situation ausgehend weiterzuführen“, erklärt Bassistin Kathy Foster. Trotzdem mag man sich fragen, wo die düsteren Lyrics von ‚Now We Can See‘ ihren Ursprung haben. In der grauen und verregneten Umgebung Portlands, die seine Einwohner mindestens sechs Monate im Jahr nach drinnen zwingt? Nein, gerade das ermuntere zum Songschreiben, bekräftigt Foster, zumal Portland eine hohe Dichte an kreativen Menschen und damit eine inspirierende Atmosphäre aufweise. Der nachdenkliche Inhalt der Platte wirkt sich auch auf das verhältnismäßig zurückhaltende Artwork des Albums aus: Wurden alle bisherigen Album-Cover von Feuer und Explosionen dominiert, ziert dieses Mal ein Schwan auf einem Haufen aus Müll und Sternen das Zentrum des Geschehens. Sänger Harris erläutert die Intention dahinter: „Die Sterne stehen für die amerikanische Flagge. Das Land ist niedergebrannt, gestorben und der Schwan verkörpert seine Wiedergeburt. Damit spiegelt dieses Cover zwar nicht den Inhalt wider, dafür aber den Ausgangspunkt, an dem sich Amerika gerade befindet.“
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Viele mögen angesichts der düsteren Albumthematik darauf schließen, dass sich hinter The Thermals drei nachdenklich-introvertierte Persönlichkeiten verbergen. Jene werden aber eines Besseren belehrt. Gut gelaunt berichten Harris und Foster vom neuesten Album und werden richtig euphorisch, als sie zum Stand des Nachfolgewerks befragt werden. Nachdem Foster das neue Material als dynamischer und schlichtweg anders bezeichnete, wird Sänger Hutch Harris noch konkreter: „Einige Songs klingen nach den frühen New Order – zu Zeiten von ‚Power, Corruption & Lies‘. Viele Songs sind ruhiger und reduzierter.“ Auf das Thema des nächsten, noch unbetitelten Albums angesprochen, beginnt Harris schelmisch zu grinsen, ehe er schon fast feierlich eröffnet: „Sex und Lügen.“ Ihm scheint es wichtig zu sein, klarzustellen, dass Liebe nur eine Aneinanderreihung von Lügen ist. Gleichzeitig ist ihm die Schwierigkeit seines Vorhabens bewusst: „Es ist mit Sicherheit schwierig, geschmackvoll zu bleiben, wenn man über Sex schreibt. Stattdessen läuft man Gefahr, albern oder machohaft rüberzukommen. Sex in einer Textzeile zu thematisieren ist einfach, das aber auf einen ganzen Song auszuweiten, betrachte ich als Herausforderung.“ Letzterer stellen sie sich nun wieder zu dritt – zusammen mit dem neuen Schlagzeuger Westin Glass. Da glaubt man Harris gerne, dass er sich mehr dafür interessiert, was „vor und nach dem Sex passiert“.
Ines Punessen





