10.03.2010 New York

Feature: The Drums

cooliris

The Drums importieren britische ‚Exportschlager‘ mit 50ies Charisma



The Drums

Viele Musiker, vor allem britischer Herkunft, nahmen sich im Laufe der Zeit dem Erbe Factory Records‘ an. Ein Großteil von ihnen wurde als schlechte Kopie abgetan, die anderen scheiterten am Image. Nun tritt eine andere Band in das Interesse der Öffentlichkeit – diesmal mit der Fertigkeit, die besten Facetten des Manchester Kultlabels in sich zu vereinen.

 

The Drums sind ein Quartett aus New York, die mit ihrer Summertime EP und dem im Juni folgenden Debütalbum in England bereits als heißeste Neuentdeckung des Jahres gehandelt werden. Der NME holte sie unter der Überschrift „The New Decade In Music“ auf sein Magazin-Cover, The Fly nahm sie in seine zehn Musiktipps für 2010 auf. Ihre Vorbilder sind Joy Division, New Order, The Smiths und Orange Juice und unter deren musikalischem Einfluss vermitteln sie ein 50ies Sommerfeeling mit Tiefgang, das sie zu den Pionieren des melancholischen Pops dieses Jahres aufsteigen lassen wird.

 

 



The Drums

Sänger Jonathan Pierce erläutert die Hauptinspirationsquelle seiner Band: „Wenn man etwas so oft gehört hat, ist es wirklich schwierig, beim eigenen Songwriting nicht davon eingenommen zu sein. Selbst wenn wir uns bewusst dazu entschieden hätten, nicht wie Joy Division oder The Smiths zu klingen, wären diese Einflüsse trotzdem durchgeschienen – was sie auch taten.“

Auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum nehmen sich The Drums ernsteren Tönen und einer düsteren Atmosphäre an. Die Lyrics wurden von einer introspektiven Sichtweise verfasst  und thematisieren persönliche Erfahrungen. Pierce zufolge ist ‚Books Of Stories‘ der intimste Song, den er je geschrieben hat: “In diesem Song geht es um den Versuch etwas loszulassen und weiterzuziehen um dann zu bemerken, dass man es nicht kann. Man macht eine Veränderung in seinem Leben und sieht schließlich, wie alles über einem zusammenbricht. Man wird sich bewusst, dass die Sache von der man annahm, dass man sie nicht  bräuchte, das ist, was man eigentlich braucht. ‚Books Of Stories‘ ist einer jener Songs, die ich − immer wenn wir sie live spielen −  emotional fühle.“

 

Der Einfluss von Factory Records ist auch auf dem Album gegenwärtig – vor allem in dem Track ‚Forever And Ever‘, dessen Percussion den typischen Factory Charakter aufweist. „Es hat einen düsteren, Joy-Division-ähnlichen Schlagzeug-Rhythmus mit bezeichnenden Synthesizern. Allerdings ist es etwas hoffnungsvoller, gar schon optimistisch“, sagt Drummer Connor Hanwick. The Drums verleugnen ihren musikalischen Ursprung, die Songs, die ihr Leben verändert haben, nicht – was sie vermutlich von vielen New Yorker Bands unterscheidet. Hanwick betont, dass Letztere sich in einem kontinuierlichen Wettbewerb befänden, um angesagt zu sein, sodass es scheint als hätten sie die Wurzeln ihrer Songs vergessen.

 



Thr Drums

Um eben nicht als vorübergehender Trend zu enden, zogen The Drums nach Florida, um dort – in der Isolation –  ihre Kreativität zu entfalten und etwas Reines zu erschaffen. Sie wandten  sich von moderner Musik ab, hörten kein Radio mehr und schalteten den Fernseher aus. Sie hatten weder Zugang zum Internet noch zu Verkehrsmitteln, sodass es ihnen möglich war, sich allein auf die Musik zu konzentrieren. „Die einzige Möglichkeit etwas ‚Originales‘ zu kreieren, bestand für uns darin, unsere Einflüsse von außen zu reduzieren“, erklärt Pierce. 

 

Abgesehen von ihren bezaubernden Pop-Ergüssen zeichnen sich The Drums vor allem durch ihre Wertvorstellungen aus. Sie reizt die Idee des zeitlosen Klassikers und somit fällt, gerade im Hinblick auf ihre Einflüsse, der Apfel nicht weit vom Stamm. Ihre wichtigste Regel, immer das zu tun, was sie wollen, rückt einem vor allem eines wieder ins Bewusstsein: die unmittelbare Assoziation mit Factory Records. Zunächst fällt es einem schwer, diesen Business-Neulingen nicht den Stempel „naiv“ aufzudrücken, betrachtet man die Einschränkungen, denen sich andere Künstler in der heutigen Musikindustrie stellen müssen. Überraschenderweise vermag es aber genau diese junge Band, als lebendes Beispiel voranzugehen. Sie besitzen die Rechte, alles eigenständig umzusetzen und entscheiden somit über Design und Artwork, über Flyer und T-Shirts. Zudem produzierten und mischten sie das Album selbst und führten beim Video zur nächsten Single ‚Best Friend‘ Regie. „Ich glaube, der einzige Weg, etwas Kreatives zu schaffen, besteht darin, dass man sich selbst vertraut und sich mit Menschen umgibt, die gewillt sind, das zu akzeptieren und einem zu vertrauen“, erklärt Hanwick.

 



Surfing

Die erste Singleauskopplung ihres Albums hätte kaum „ursprünglicher“ sein können. ‚Best Friend‘ ist stark von The Wakes‘ ‚Pale Spectre‘, einer weniger bekannten Factory-Records-Band, beeinflusst. Pierce über seinen Lieblingssong ‚Best Friend‘: “Wir wollten etwas komponieren, das sich nicht genauso anhört wie dieser Song, aber etwas, das das gleiche Gefühl in uns weckt. Der Song ist völlig unberührt seit dem Tag, an dem wir ihn geschrieben und aufgenommen haben. Niemand außerhalb der Band hatte seine Hände im Spiel. ‚Best Friend‘ zeigt uns beim Versuch wie The Wake zu klingen, wobei es uns auf einen anderen Weg bringt.“

 

Pierces größter Wunsch für seine Band ist es, ernst genommen zu werden und in musikalischer Sicht immer relevant zu sein. Lauscht man seinen Worten, scheint dieses Ziel so einfach zu erreichen zu sein: “Ein Song muss auf das Nötigste reduziert werden bis sein Gerüst, aus einem schlichten Text und einer einfachen Melodie bestehend, vor einem liegt. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt.“ Eine simple Herangehensweise an eine erfolgreiche Karriere.

 

Ines Punessen 

Let S Go Surfing [Vinyl Single]

Drums


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