26.05.2010  BERLIN

Zeraphine mit neuem Album Whiteout



Zeraphine

Nach vier Jahren Zeraphine Abstinenz, in denen sich die Bandmitglieder verschiedenen anderen musikalischen Projekten widmeten, erscheint nun ‚Whiteout‘, das bereits fünfte Album der Berliner Band.

 

Sie bedienen sich auf dem Album anfangs einer Finte. Nach dem atmosphärischen Intro ‚Erwachen‘ brüllt uns das verzerrte ‚Lieber allein‘ an. Es will uns glauben machen, dass ‚Whiteout‘ laut, brachial und vielleicht sogar gesellschaftskritisch ist. Wir ersparen uns an dieser Stelle die schon oft geführte Diskussion darüber, in welcher Sprache Sven Friedrich seine Lieder singt. Viel wichtiger ist, dass sich das fünfte Album des Quintetts gleich nach dem eröffnenden Täuschungsmanöver als ungemein ausgewogen darstellt. Die Harmonie nimmt man erst nur unbewusst war. So wie die Ruhe vor dem Gewittersturm, die einem urplötzlich bewusst wird, nachdem man schon minutenlang durch die Stille der Natur ging – sich fragend, was denn nur anders sei als sonst. Noch nie war das Zusammenspiel der Instrumente so

stimmig, ihre Gewichtung untereinander dermaßen ausbalanciert. Nie zuvor korrespondierten Strophen und Refrains so gut miteinander, lagen diese Elemente derart gleichberechtigt auf einem Niveau und kamen ohne das übliche Laut und Leise aus.

 

Für ‚Whiteout‘ wurden viele Sessions im Proberaum abgehalten, in deren Verlauf die neuen Songs unter Live-Bedingungen gespielt und schließlich auch aufgenommen wurden. Dieses Verfahren und auch die Tatsache, dass bereits beim Songwriting versucht wurde, den Hörer vom ersten Ton an und durch intensive Strophen zu fesseln, führte zum neuen, zu diesem unglaublich ausgereiften und harmonischen Zeraphine-Sound.

 

Stilistisch setzen die Berliner den in der Vergangenheit eingeschlagenen Weg fort. Deutlich hört man, welche Musik bzw. welche Künstler ihre Spuren bei den Bandmitgliedern hinterlassen haben. Placebo wäre da ein Name, der genannt werden muss. Natürlich: The Cure. Viele Stücke haben eine wunderbare, luftige Cure-Note dank der Gitarren („Die Cure- Note darf nicht fehlen“, so Sven Friedrich). Ein ganz klein wenig HIM (das Piano). Und wer The ‚Stream‘ aufmerksam hört, wird vielleicht wohlig an das grandiose ‚Disorder‘ von Joy Division erinnert. Das alles sind jedoch nur Nuancen, die hier und da durchblitzen und den ureigenen Alternative Rock von Zeraphine ergänzen. Unterstützt wurde die Formation auf ‚Whiteout‘ übrigens durch die Backings von Juliane Richter (Eminence Of Darkness/Dreadful Shadows) sowie die Streicher von M. Stolz und Benni Cellini (Letzte Instanz).

 

 








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