25.01.2009 London
Gehört: THE RIFLES "The great escape"
Auf der Flucht
![]() Great Escape |
2006 jagten die RIFLES atemlos und ungestüm durch ihr Debüt „No love lost“, einem nervösen Energiebündel aus Mod- und Indierock der Spitzenklasse. Vier Jungs aus London, die den Geist der Buzzcocks und The Jam atmeten, den Schweiß der englischen Arbeiterklasse schwitzten und mit Songs wie „Repeat offender“ oder „Local boy“ allen klug musizierenden Kunststudenten und lederbejackten Möchtegern-Rockern ein Brett vor die Stirn knallten. Gut zwei Jahre später, genauer gesagt am 30. Januar 2009, steht jetzt der Zweitschlag ins Haus und dessen Titel „The great escape“ könnte bezeichnender nicht sein. Zum einen präsentieren sich die RIFLES gereifter und songschreiberisch gekonnter denn je und zum anderen sollte mit diesem Album die verdiente Flucht aus dem medialen Mittelmaß ins Bewusstsein der Allgemeinheit gelingen.
Schon das erste Durchhören lässt den Hörer komplett verzückt zurück. Knappe 40 Minuten brauchen die RIFLES für elf überragende Songs, von Ausfällen keine Spur.
Übergangslos fließen wilde Tanzbefehle wie die erste Single „Fall to sorrow“ in entspannte Nummern, wie das einschmeichelnde „Wintercalls“, das einem Jack Penate sicher nicht spritziger hätte gelingen können. An jeder Ecke spürt der Hörer die ungebremste, jugendliche Energie, die die Musik der RIFLES so packend macht. Das vor purer Lebensfreude schier platzende „Romeo and Julia“ ist nur ein Beispiel dafür. Doch nicht jeder Song muss wie dieser gleich durch die Wand. Die RIFLES gebärden sich nicht mehr allzu zügellos wie auf ihrem Debüt, sie treten zu Gunsten eines weitaus ausgefuchsteren Songwritings das Bremspedal ebenso häufig wie sie aufs Gas steigen. Der Opener „Science in violence“ entfacht ein wahres Feuerwerk an Breitwandsound, für den sich Muse sicherlich nicht geschämt hätten. Und wenn die RIFLES in „For the meantime“ lässig „Strawberry fields forever“ auseinander- und wieder zusammenbasteln, hört man die songschreiberische Finesse dieser Band erst richtig heraus. Gepaart mit ihrem Händchen für eingängige Melodien und der ungebremsten Kraft, mit der die RIFLES ihren Songs den nötigen Kick verleihen, wird die grosse Flucht nach vorne und in die Herzen und Ohren der Indie-Rockgemeinde sicher ein Kinderspiel. Und mit „The great escpae“ liegt der Ton-gewordene Beweis jetzt vor.
Christian Hautz


