02.10.2011  London

Gehört: THE RIFLES "Freedom run"

Ist gut, bleibt gut!



The Rifles

Der Mythos, früher sei alles besser gewesen, erweist sich nicht selten als falsch, doch was die Kontinuität der Qualität der Produkte von einer Band angeht entspricht das leider oftmals der Wahrheit. Wie schön war das noch in den 60er und 70er Jahren, als man sich getrost 5, 10 oder 20 Jahre ein und derselben Band verschreiben konnte und dabei nur marginal enttäuscht wurde. Heutzutage muss der seriöse Musikliebhaber schon froh sein, wenn der Zweitling der heißesten Hypeband der letzten Saison gerade noch die Kategorie „passabel“ oder „nett erreicht. Oder wie war das noch mit den Kaiser Chiefs und den Killers? Mit Hot Hot Heat und Hard-Fi? Mit den Subways und den Vines? Herzerfrischend ist es allemal, wenn dann eine Band wie die Rifles aus London mit ihrem jüngst erschienenen und bereits dritten Album „Freedom run“ locker den großartigen Standard hält, den sie 1996 mit ihrem funkensprühenden Debüt „No love lost“, in den sich langsam abkühlenden Felsen namens Britpop 2.0 eingemeißelt haben. Singles wie „Local boy“ oder „Peace and quiet“ lieferten dabei vollgepackt mit jugendlicher Manie, mit einem untrüglichen Gespür für feinste Melodien und einem magischen Händchen für spannungsgeladenen Powerpop den Soundtrack zu jugendlichem Übermut und wilden Nächten im Club.

Mit „Freedom run“ sieht man sich nun – ähnlich wie bei den Arctic Monkeys bei ihrem letzten Werk „Suck it and see“ – mit einem erwachsenen, ernsthaften Album konfrontiert, einem ambitionierten Stück Musik, dem jegliches Kalkül und jede Publikumsnähe abgeht. Doch anders als bei den arktischen Affen schießen die Rifles nach wie vor unermüdlich greifbare, packende und einschmeichelnde Songs aus allen Mündungsrohren. Dass sie dieses Mal als Hermann´s Hermit-mäßige Beatnummern wie bei „I get low“, als shoegazende Soundwälle wie beim jubilierenden „Sweetest thing“ oder beim zuckersüßen „Nothing matters“ als Inspiral Carpets Gedenkminuten (ohne Orgel) daherkommen, zeigt nicht nur eindrucksvoll den nach wie vor sprudelnden Kreativitätsquell dieser Band. Es zeigt auch, dass diese Band es mühelos schafft, ihren alten Stärken neue Aspekte hinzu zu fügen, so ihre Musik in Bewegung zu halten und ihr immer wieder neues Leben einzuhauchen. Und dass auf einem Niveau, von dem so mancher heiße Hype sich dieser Tage eine Scheibe abschneiden kann.

Christian Hautz

 








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