18.11.2008  Hersbruck

Gehört: THE AUDIENCE "Dancers and architects"

Andersrum tanzen



The Audience

“Tänzer und Architekten kehren das Innere nach außen”, das verrät das Promotionschreiben zum zweiten Album der Hersbrucker Indieformation THE AUDIENCE. „Wie ein umgepolter Magnet“ hat die Band nach ihrem gefeierten Debüt „Celluloid“ der „Anziehungskraft nach außen“ Tribut gezollt und heraus kam eine Platte „zum andersrum tanzen“.

 

Was sich in Worte gefasst ungreifbar und kopflastig anhört, ist in musikalischer Form ungleich packender und eingängiger. Jeder einzelne der zwölf Songs ihres Zweitwerks „Dancers and architects“ ist getrieben von einer rastlosen Energie und weißt den Hörern umgehend den Weg zur nächsten Tanzfläche. Es sind Songs voll kreischender Orgeleinsätze, rasiermesserscharfer Gitarren, nervöser Bassläufe und druckvoll-verspielter Schlagzeugparts. Songs voll eingängiger Harmonien, die nicht selten im systematischen Chaos der Instrumente begraben werden, allerdings dadurch weder an Druck noch an Zugänglichkeit verlieren.

 

Das Album beginnt überfallartig mit dem nervös zappelnden „Teal missing“, welches den Garagepunk der Int. Noise conspiracy mit der sich überschlagenden Rhythmik von Bloc Party verschmilzt. Das anschließende „Picture´s motion“ ist der beste Robocop Kraus Song seit Jahren: melodisch, eingängig und mit beiden Beinen in der Indiedisco. Dagegen steht das sperrige, hacken schlagende „The red echo“, das voller Brüche und Tempiwechsel steckt. „Ice cubes“ dient zu allem, aber sicher nicht zum runterkühlen. Überhaupt steht „Dancers and architects“ zu keiner Minute still, der Hörer wird mit jedem Song zur vollen Aufmerksamkeit gefordert. Dafür wird dieser mit einem Album voll wunderbarer Lieder zwischen Indie, Garagerock, Wave und Punk belohnt, die sich auf der Tanzfläche genauso wohl fühlen wie in der heimischen Stereoanlage. „Andersrum tanzen“ zu lernen ist also nicht zwingend nötig.

 

 

Christian Hautz