10.10.2010  Karlsruhe

Gehört; JUVENALIS - Schattenspiel

Klangsuche im Postcoreland



Juvenalis

Die Zeiten, in denen sich Hardcore-Punk ausschließlich auf massive Härte, ultraschnelles Geknüppel oder tumbe Prollposen beschränkt hat, sind (zum Glück) schon lange Geschichte. Seit den frühen 90ern formieren sich Bands, die atmosphärischer Sounds, instrumentale Dichte zwischen Gitarrenbrett und Elektronikspielerei und langsam walzende, sich bedächtig aufbauende Songs purer, physischer Brachialität vorziehen und trotzdem Hardcore im wahrsten Sinne des Wortes sind. Oder besser gesagt: Postcore.

 

Die Karlsruher Juvenalis gehören zu dieser Gattung und veröffentlichen mit „Schattenspiel“ nun ihr selbstproduziertes Debüt. In sechs Songs pendelt das Quintett zwischen elegischer Soundvielschichterei und donnernden Gitarrenbreitwänden, verlieren sich mal mit flirrenden Gitarren in den Weiten ihrer Soundscapes, nur um diese mit zorniger Wucht und beinharten Riffstakkato wieder zu zerschneiden. Mancher Song ergeht sich in atmosphärischer Dunkelheit und schleppt sich müheselig langsam über dornenbewehrte Wege im Nirgendwo. Doch wie der Donner dem Blitz, folgt auch hier sofort der brachiale Ausbruch. Gesungen wird dabei auf Deutsch; und nicht nur das weckt immer wieder Erinnerungen an die grandiose Postcoreformation Monochrome. Von der Cover-Gestaltung bis zur flirrenden Musik verweist vieles an diese deutschen Klangsuchenden. Aber gut, man kann schlechtere Vorbilder haben.

 

Christian Hautz

 








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