07.03.2010 London
Gehört: GOOD WEATHER GIRL "Boon"
Schlafzimmerpop
![]() |
„Boon“ ist ein Album, das eigentlich keines ist. Denn ginge es nach Dion Lucas, die mit ihrem Bruder Shem zusammen Good weather girl bildet, hätte sie lediglich den Song „Don´t worry“ als Trauerbewältigung um den Tod eines guten Freundes in die Weiten des Internets geschleudert und sich dann wieder ihrer Malerei und Literatur zugewandt. Doch wie das in den Zeiten von Youtube, Facebook und Co nun mal so ist, wanderte das knapp einminütige Stück von PC zu PC bis hin zu den Bürostuben des feinen Frankfurter Hazelwood Labels. Diese überzeugten Frau Lucas in mühevollen, unermüdlichen und gerne auch mal nächtlichen Gesprächen davon, zwölf weiter Songs aufzunehmen, die nun unter dem Titel „Boon“ die Plattenläden zieren. Doch bei all der Herzenswärme, die den Songs innewohnt und bei all dem Gefühl, mit dem das Geschwisterpaar ihre schrägen und meist marginal instrumentierten Popminiaturen arrangieren und darbieten: So richtig will keiner der Songs in den Ohren und im Herzen des Hörers Platz nehmen. Zwar wirkt der elektronikversetzte Folkpop durchaus charmant, doch sind Stücke wie „Charlie´s house“ oder „Neon cloured town“ einfach zu flüchtig, ungreifbar und bar jeden Höhepunktes. Die Instrumentierung ist im besten Falle unauffällig und stimmlich ist Frau Lucas alles andere als aussagekräftig, geschweige denn tonal stabil. Lediglich das wunderbare Pluckerpopkleinod „Don´t worry“ und das stürmische und sich vor dem Indiepop der Smiths und Wedding present verbeugende „Summer´s here again“ stechen heraus. Der Rest von „Boon“ ist netter, aber viel zu fluffiger Schlafzimmerpop. Eine Single hätte durchaus gereicht.
Christian Hautz
nein*


