01.02.2009 Glasgow
Gehört: GLASVEGAS "Glasvegas"
Britpop 2009
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Nach langem Warten, unzähligen in Deutschland nie veröffentlichten Singles und einem Ruf wie Donnerhall erscheint am 30. Januar 2009 endlich das selbst betitelte Debüt der schottischen Indierock-Sensation GLASVEGAS. Nun bin ich immer vorsichtig, wenn der NME mal wieder die neuen Nirvana, Led Zeppelin oder sonst wen ausruft, diesmal scheint allerdings jeder Ton – sei es musikalisch oder pressetechnisch – in vollem Maße gerechtfertigt.
Schon seit 2006 veröffentlichten James (Gesang) und Rab (Gitarre) Allan, Bassist Paul Donoghue und Schlagzeugerin Caroline McKay in regelmäßigen Abständen zum Teil streng limitierte 7inch Singles, von denen jede einschlug wie eine Splittergranate. Seitdem kam keine englische Rockmusik Bestenliste mehr ohne GLASVEGAS aus, Persönlichkeiten wie Alan McGee lobten die Band in den Himmel und als das Album endlich angekündigt wurde, war bereits halb Europa gespannt, der Autor eingeschlossen. Und jetzt halte ich die CD endlich in den Händen, schiebe sie langsam in den CD-Player und werde von einem rauschenden, atmosphärischen Intro begrüßt, das sich voller Gewalt zum Opener „Flowers and football tops“ aufbaut. Auf einen Schlag fühle ich mich tief in die 90er katapultiert, in die Zeit, in der Bands wie Ride, The Verve und Slowdive aus dem Shoegazerpop der 80er eine atmosphärische und psychedelische Form des Indierocks schufen. Übergangslos folgt die erste Single „Geraldine“, ein von der ersten Sekunde an packender, soundtechnisch dichter und turmhoher Epos aus verhallten Gitarren, Synthiewänden und der mäandernden Stimme von James Allan. Die besten Momente der Killers treffen auf die düsteren Klanggebilde der Editors, traumwandlerische Melodien schälen sich aus dem pompösen und turmhohen Breitwandsound, Gitarrenechos tönen in der Ferne und monumentale Keyboardflächen schrauben sich in höchste Höhen. Nahtlos fließen die zehn Songs des Albums ineinander. Mal zitieren GLASVEGAS den treibenden Noiserock der Jesus and Mary Chain („Go square go“), mal verlieren sie sich in endlosen Pathosweiten („Lonesome swan“) oder lassen den Monumentalsound für einen kurzen Moment innehalten und lediglich ein verhuschtes Klavier sprechen („Stabbed“).
Mit ihrem Debüt beweisen GLASVEGAS mühelos, dass es auch heute – etliche Jahre nach der Wiedergeburt des Britpop – noch möglich ist, in diesem Genre aufregende, einzigartige und vom ersten bis zum letzten Ton außergewöhnliche Alben zu schaffen. Da darf der NME auch gerne die bekannten Superlative bemühen, GLAVEGAS werden mit diesem Werk fast jedem standhalten.
Christian Hautz


