25.11.2008 Karlsruhe
Gehört: DIEGO "Two"
Raus aus dem Jammertal
![]() Two |
All die schlauen Durchblicker, die immer noch jeden müden, musikalischen Windhauch aus England sofort als große Hoffnung im Indiepop feiern, sollten doch besser mal vor die eigene Haustür blicken. Dort nämlich gedeihen – von der breiten Masse unverdientermaßen ignoriert – gar famose Bands, die nicht weniger begeistern als die englischen Kollegen. DIEGO aus Karlsruhe sind dafür ein perfektes Beispiel. Fünf junge, hungrige Männer, die den düsteren und lebensfeindlichen Wavepunk von Joy Division nicht minder intensiv verinnerlicht haben wie die Editors oder Interpol. Mit ihrem jüngst veröffentlichen Debütalbum „Two“ liefern sie dazu die passenden Songs und keiner, wirklich keiner, steht der Musik der Kollegen aus Übersee in irgendetwas nach.
Einen Vorgeschmack gab es bereits 2007 mit einem beachtlichen Minialbum voll spröder Hymnen über Selbstzweifel, persönlicher Unzulänglichkeiten und zwischenmenschlicher Desaster. Mit „Two“ zeigen DIEGO jetzt erneut ihr Talent, mit ihrer Musik eine ungeheuer majestätische und spannungsgeladene Atmosphäre zu erzeugen und daraus elf Songs voll Erhabenheit und Würde entstehen zu lassen. Gekonnt verweben DIEGO feine Popmelodien mit der unvergleichlichen Rhythmik von Joy Divison und der klanglichen Dichte junger Bands wie den Editors. Melancholische Tieftraurigkeit und hoffnungsvolles Aufbegehren sind dabei meist nur eine Hauch voneinander entfernt. Der Hörer wird in Songs wie „Isolation“ brutal in den Schlund derselben gestoßen und im nächsten Moment mit Himmelstürmern wie „Fan city“ wieder wohlig-warm in die Arme geschlossen. Für das grandiose „Echoes“ genügen DIEGO ein stoischer Basslauf, rudimentäres Schlagwerk und zwei in der Unendlichkeit verhallende Gitarren um eines der bittersüßesten Lieder des Jahres zu erschaffen. Und über alle dem thront die einnehmende, dunkle Stimme von Sänger Andreas Mutter, die von Schwarzmalen bis Jubilieren alle Facetten bereithält.
Mit „Two“ legen DIEGO ein songwriterisch gekonntes, ausgereiftes und in seiner Dichte ungemein ergreifendes Debüt hin. Ein Album voller Bedrücktheit und Selbstzweifel, aber eben auch mit druckvollen, energetischen Songs, die sich nicht im Jammertal der Depression verlieren. Und diese, auch mal possitive Stimmung hebt sie weit über das Mittelmaß vieler, ähnlich gelagerter Bands.
Christian Hautz


