22.10.2010  Karlsruhe

Gehört: Diego - Gold

Das "goldene" Album



Diego Gold

Einen Sinn für Ironie kann man Diego sicher nicht absprechen. Denn nur wenige würden einem Album voll bittersüß-melancholischer Songs und rabenschwarzer Grabeshymnen den Titel „Gold“ geben. Doch genau so heißt das jüngst erschienene, dritte Werk der fünf Karlsruher. Und so ganz Unrecht haben die Jungs nicht, denn im Gegensatz zum Vorgänger scheinen ein bis zwei goldene Sonnenstrahlen mehr durch die dunklen Abgründe der elf Songs von „Gold“. In Form gebracht von Deutschlands feinstem Produzentenmagier und Blackmail Gitarrist Kurt Ebelhäuser erinnern Nummern wie der sich auf- und abbäumende Klangmonolith „Lucy“ oder der tieftraurige Minimalismus von „A lot like you“ immer noch an die düsteren Klanggebilde von Joy Division. Songs wie der Opener „Grizzly bear“ dagegen bieten himmelstürmenden Pop, der so manche dunkle Wolke vertreibt und sich in einem wahren Melodiesegen ergießt. Bei „The distance in between us“ und dem darauf folgenden „Metz“ packt Diego sogar eine gitarrenverzerrte Rage, die die immer gleichen Interpol/ Editors/ Departure- Vergleiche im Nu in einer wütenden Wolke markzerschneidender Distortion wegfegt. Ein wahrlich „goldenes“ Album.

 

Christian Hautz








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