24.10.2010 London
Gehört: Carl Barat - Carl Barat
What became of the likely lad?
![]() Carl Barat |
Mit den Libertines erspielte er sich als kongenialer Partner des skandalträchtigen Pete Doherty einen legendären Ruf. Mit den Dirty Pretty Things verfolgte er musikalisch ähnliche Pfade, brachte zwei formidable Alben heraus und blieb doch immer im Schatten seines ehemaligen „likely lad“ Doherty und seiner Babyshambles. Jüngst konnte man nun die eher unspektakuläre Bühnenreunion der Libertines in London bestaunen, der die pure Energie und die Unberechenbarkeit der frühen Tage vollkommen ab ging. Doch das macht nichts, denn mit seinem jetzt erschienenen, selbstbetitelten Soloalbum hat Barat schon das nächste, richtig heiße Eisen im Feuer.
Wer den schnoddrigen Rock der Libertines erwartet, wird herbe enttäuscht. „Carl Barat“ ist ein waschechtes Songwriteralbum und glänzt nur in kurzen Momenten und in Songs wie „Run with the boys“ mit schrammeligen Uptemponummern .Der Rest ist reich verzierte Popmusik und ein üppiger Schwall an feinen Harmonien, die mal kabarettartigen wie bei der Streicherensembleminiatur „The Fall“ und mal hymnenhaft wie beim verspielten „Je regrette, je regrette“ erklingt. Selbst herzerwärmende Balladen wie das behutsam gezupfte und von himmlische Geigen getragene „What have i done“ gelingen Barat vorzüglich.
Mit seinem Solodebüt schafft der ex-Libertine ein wunderbares, einfühlsames und emanzipiertes Werk, das den Hörer verzaubert und die beachtliche, kreative Kraft von Barat im hellsten Schein erleuchten lässt.
Christian Hautz



