03.10.2008 Nashville/ U.S.A.
Gehört: BEN FOLDS "Way to normal"
Charmant und obskur
![]() Ben Folds |
2001 war nach Kubrick nicht nur das Jahr, in dem die Menschheit mit außerirdischen Lebensformen Kontakt aufnahm, sondern auch mit dem zweiten Soloalbum „Rockin the Suburbs“ des Ex Ben Folds Five-Vorstehers und Klaviervirtuosen BEN FOLDS. Auf diesem vereinte er aufbegehrende Adoleszenzhymnen, wie „Zak and Sara“, mit tiefblauen Abgesängen auf die Jugend und die Zeit der Unschuld („Still fighting“), und eroberte damit die Herzen der Menschen mit schrägem Witz und unwiderstehlichen Pianopop im Sturm. Mit der nachfolgenden Bestandsaufnahme „Songs for Silverman“ ordnete FOLDS mit kritischem Blick und noch mehr überirdischen Melodien die Verhältnisse, in seinen zwischen Tragik und Humor pendelnden Songs. Im September 2008 erschien mit „Way to normal“ sein viertes Werk, das wieder voller charmanter und obskurer Geschichten über das Leben und das Leiden der Menschen steckt, speziell eines Menschen: BEN FOLDS!
So singt BEN FOLDS gleich im Opener „Hiroshima“ zu stampfendem Stadionrock und zu - extra auf der letzten Tour live aufgenommenen - Publikumschören von einem harten Sturz von der Bühne und der anschließenden Röntgenbehandlung. „They are watching me/ watching me fall“, heißt es da und schon zu Beginn empfindet man tiefstes Mitgefühl mit dem armen, gedemütigten Ben. Der wiederum stürmt im rastlosen Jerry Lee Lewis Boogie „Dr. Yang“ lieber zum nächsten Doktor, der ihm die an den eigenen Neurosen zerbrochene Beziehung wieder kitten soll. Die Single „You don´t know me“ offenbart hinter leichtfüßigem Pianopop und unschuldigen Ba Ba Ba´s die ernste Erkenntnis, dass man sich manchmal auch nach jahrelangem Kontakt nicht wirklich kennt, wobei die wundervolle Regina Spektor die unverstandene (oder verständnislose) Gegenstimme gibt. Aber auch das Kleinstadtdasein („Effington“) und verrückte Frauen („Bitch went nuts“) machen FOLDS das Leben schwer. Das hindert ihn aber nicht daran, auf „Way to normal“ die Hits ausgelassener und partytauglicher als je zuvor aus seinem Piano zu hauen. Feinste Arrangements und jubilierende Melodien treffen auf wenige melancholische Momente, die den Hörer wie gewohnt innehalten und tief seufzen lassen. Die Beatles schauen beim epischen „Cologne“ genauso um die Ecke wie der 80er Comicheld Captain Future, der im Intro von „Free Coffee“ sein Denkmal gesetzt bekommt.
Mit seinem vierten Streich gelingt BEN FOLDS einmal mehr ein großes Songwriteralbum, das mit durchgehend guten Songs und ansprechenden Lyrics glänzt. Beizeiten ist die tiefe Melancholie, die bei den Vorgängern noch über den Songs schwebte, einer ausgelassenen Freude und derbem Humor gewichen. Aber vielleicht ist das ja der im Titel erwähnte Weg zur Normalität. Auf diesem begleitet man BEN FOLDS gerne, solange dabei nur so gute Musik herauskommt.
Für mehr Informationen:
www.benfolds.com
ww.myspace.com/benfolds
Christian Hautz


